Berlin : Funktionäre ins Adlon, Teams ins Umland

Berlins Hotels werden nicht als Mannschaftsquartiere für die Fußball-WM 2006 empfohlen

André Görke

Oliver Bierhoff hatte zum Abschied sehr nette Worte parat. Als die deutsche Fußball-Nationalmannschaft nach dem Länderspiel gegen Brasilien vor einem Monat aus dem „Grand Hyatt“-Hotel am Potsdamer Platz auszog, sagte Teammanager Bierhoff, dass „es uns wirklich gut gefallen hat“ – und dass man während der Fußball-WM 2006 vielleicht wieder am Potsdamer Platz wohnen werde.

Das „Grand Hyatt“-Hotel hat sich deshalb große Hoffnungen gemacht, als offizielles Mannschaftsquartier während der Weltmeisterschaft ausgewählt zu werden. Gestern nun wurde die „Offizielle Vorschlagsliste der WM-Quartiere“ vom Fußball-Weltverband Fifa veröffentlicht – doch weder das „Grand Hyatt“ befindet sich unter den 110 empfohlenen deutschen Hotels für die Mannschaften der WM-Teilnehmer, noch irgendein anderes aus Berlin.

Gerd Graus, Sprecher des WM-Organisationskomitees (OK), sagt zwar: „Die Liste ist nicht verbindlich für die Mannschaften.“ Aber diese 110 Quartiere „erfüllen die Anforderungen“ der Fifa. Die Hotels, die sich beworben hatten, mussten einen Stapel Papier ausfüllen. Wie viele Zimmer hat das Haus? Wie weit ist es zum Stadion? Ist ein Trainingsplatz in der Nähe? Und sehr viele weitere Fragen. Nur wer einen gepflegten Trainingsplatz in der Nachbarschaft, mindestens 40 Zimmer, Konferenzräume und Wellness-Zonen, einen Flugplatz und einen Bahnhof in der Nähe vorweisen konnte, hat es in die Hotelliste geschafft. Ach, und auch Ruhe und Erholung spielten eine Rolle. So sind in dem Katalog zwar keine Berliner, dafür aber vier Häuser aus Brandenburg verzeichnet. Es sind das Seminaris See-Hotel in Potsdam, das Bundesleistungszentrum Kienbaum, das Hotel Haus Linowsee in Rheinsberg und das Arosa in Bad Saarow am Scharmützelsee. Schön ruhig, ohne Stress und allzu viele Fans in der Nachbarschaft. Ein Münchner Haus steht übrigens auch nicht auf der Liste.

Bis März 2006 müssen die Hotels die angebotene Zimmerzahl freihalten – denn erst Ende 2005 stehen die Teilnehmer der WM fest. Die Deutschen sind als Gastgeber auf jeden Fall dabei. Und das „Grand Hyatt“ hält vorerst 50 Prozent seiner Zimmer geblockt. Aus Kreisen der Nationalmannschaft hieß es zuletzt, dass das Team während des Turniers wohl in Berlin wohnen werde. Allerdings fällt auch immer wieder der Name des Schlosshotels in Grunewald, in dem schon häufig die Spieler des FC Bayern München wohnten. Eine Entscheidung in Sachen WM-Quartier soll in den kommenden drei Wochen fallen, heißt es beim Deutschen Fußball-Bund. Fest steht dagegen bereits, dass die Fifa-Oberen im Hotel Adlon residieren werden, das sie für die gesamte WM-Zeit gebucht haben.

Während die Verbände den Hotelkatalog jetzt zugestellt bekommen, beginnt die Informationsoffensive für Touristen erst im kommenden Jahr. Bislang haben sich schon Hotelketten wie Accor, Dorint, Maritim oder Steigenberger für die Zeit während der Weltmeisterschaft zusammengeschlossen. Fast 45 000 Hotelzimmer sind für die WM-Touristen bundesweit geblockt, etwa 8000 davon in Berlin. Die Kosten pro Übernachtung werden sich an den Preisen von 2003 orientieren, damit sollen „Preistreiberei“ und „verrückte WM-Aufschläge“ verhindert werden, wie Tourismus-Experten sagen. Der Selbstbeschränkung haben sich auch kleinere Hotels angeschlossen. Eine Million Touristen aus dem Ausland erwartet der Senat während der WM.

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