Berlin : Fußball als Ehrensache: Nach Abpfiff geht die Betreuung weiter

Freiwillige in Berlin (6): Artin Inekci engagiert sich beim BSV Hürriyet

Judith Jenner

Es vergeht kaum ein Tag, an dem Artin Inekci nicht im Vereinsbüro des BSV Hürriyet vorbeischaut. Nach seiner Schicht als Qualitätskontrolleur bei einer Autoteilefirma sieht er in der Regel die Post des Fußballvereins durch und beantwortet Anfragen. „Am Wochenende bin ich auf dem Platz“, sagt der Vater zwei erwachsener Töchter. Als Vorstandsmitglied ist er für die Pressearbeit zuständig, ruft türkische Zeitungen und die „Fußballwoche“ an, um ihnen die Resultate und den Spielverlauf mitzuteilen. Momentan ist der BSV Hürriyet auf dem vorletzten Platz der Verbandsliga. Mit der gleichnamigen türkischen Tageszeitung hat der Verein übrigens nichts zu tun. Der Name bedeutet „Freiheit“.

Als Inekci mit 16 Jahren aus Istanbul nach Deutschland kam, fand er beim Fußball neue Freunde. „Ich spielte erst in deutschen Vereinen, dann kam ich zum BSV Hürriyet“, sagt der 49-Jährige aus Wedding. Der Sport gab ihm Selbstvertrauen und Bestätigung. Neben vielen türkischen Spielern sind auch Deutsche und Afrikaner in den Mannschaften des BSV Hürriyet. Inekci ist Armenier. Aber Politik ist für ihn beim Fußball tabu.

Um Vorurteile unter den Mannschaften abzubauen, engagiert er sich im Berliner Fußballverband für die Integration ausländischer Mannschaften. „Da ich selbst zu einer Minderheit gehöre, kann ich den Jugendlichen vermitteln, wie man mit Vorurteilen umgeht.“

Wenn ein junger Spieler über Probleme zu Hause oder über Geldsorgen klagt, versucht Artin Inekci zu helfen. Dann vermittelt er zum Beispiel einen Job bei einem Sponsoren. Um ein paar Kilo abzunehmen, will der Fan des FC Bayern München und Fenerbace Istanbul demnächst selbst wieder kicken. Sein größter Wunsch: „Dass der BSV Hürriyet in dieser Saison nicht absteigt.“

In unserer Serie stellen wir Menschen vor, die sich ehrenamtlich für das Allgemeinwohl einsetzen. Kennen Sie auch einen fleißigen Helfer? Dann schicken Sie eine Mail an ehrenamt@tagesspiegel.de.

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