Fußball : Dresdner Fans dürfen nach Berlin reisen

Fans dürfen nicht kriminalisiert werden: 2000 Dynamo-Anhänger werden am 8. Mai bei dem Union-Spiel erwartet. Eintrittskarten für die Partie gibt es allerdings nur gegen Vorlage des Ausweises.

André Görke,Matthias Koch

Nun dürfen Fans von Dynamo Dresden in zwei Wochen doch zum Fußballspiel beim 1. FC Union nach Berlin reisen – allerdings nur in Sonderzügen. Zudem werden Eintrittskarten für den Gästeblock im Stadion an der Alten Försterei in Köpenick nur gegen Vorlage des Personalausweises ausgegeben. „Wir haben ein gutes Ergebnis erzielt“, sagte der extra zum Krisengespräch nach Berlin gereiste Sicherheitschef des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Helmut Spahn. „Entscheidend ist, die Gewalttäter und Gewaltbereiten auszuschließen – und nicht die Zuschauer, die Spaß am Sport haben.“

Das Drittligaspiel findet am 8. Mai statt, einem Donnerstagabend. Weil der Berliner Polizei Hinweise vorgelegen haben sollen, dass 300 Gewalttäter nach Berlin reisen wollen, hatte Polizeipräsident Dieter Glietsch damit gedroht, gar keine Gästefans ins Stadion zu lassen – das wäre ein Novum im Fußball. Kritiker hatten dem Polizeipräsidenten vorgeworfen, alle Zuschauer in Sippenhaft zu nehmen. Zumal wahrscheinlich Gästefans angereist wären, die dann verteilt im Stadion gesessen hätten – und nicht im abgetrennten Fanblock. „Die Fans, die friedlich nach Berlin kommen, sollen nicht kriminalisiert werden“, betonte nun der Einsatzleiter der Berliner Polizei, Michael Knape. Mit 2000 Dresdenern wird am 8. Mai gerechnet.

Die Androhung des Polizeipräsidenten hat viele irritiert, nicht nur im Polizeipräsidium Dresden. Zumal Gewalttäter aus der Region nun erst recht angelockt werden könnten, ähnlich wie Krawalltouristen beim 1. Mai. Und Hooligan-Gruppierungen würden „so erst aufgewertet“, sagte Gunter A. Pilz, Fanforscher der Uni Hannover und Sicherheitsberater des DFB und der EM 2008. Glietschs Androhung nannte er „Unsinn“.

Zum Drittligaspiel zwischen den Traditionsklubs werden mehr als 10 000 Zuschauer im Stadion an der Alten Försterei erwartet; der MDR und der RBB übertragen ab 20.30 Uhr live im Fernsehen.

Mit wie vielen Einsatzkräften die Polizei im Einsatz sein wird, ist bislang unklar. Jedenfalls könne es nicht sein, „dass wie im letzten Jahr über 1500 Beamte zum Einsatz kommen müssen“, sagte Einsatzleiter Knape. „Es soll nicht wieder eine Situation geschaffen werden, die einem Belagerungszustand ähnelt.“ Wenn jedoch ein erhöhtes Polizeiaufkommen in der Stadt und im Stadionumfeld nötig sei, „ist es Aufgabe der Polizei, für Sicherheit zu sorgen“, sagte DFB-Sicherheitschef Spahn. Auch in der Dritten Liga.

Die Berliner Polizei und ihre Fahnder können sich die Dresdner bereits am Wochenende anschauen: Am Sonntag werden 2300 Dynamo-Fans zum Auswärtsspiel in Potsdam bei Babelsberg 03 erwartet. Zu diesem Spiel reisen Polizeieinheiten aus Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und aus Niedersachsen an. Wie bei Risikospielen in Potsdam üblich werden wohl 700 Beamte die Partie absichern und die eher linksalternative Fanszene der Potsdamer von den Dresdnern trennen.

Die Fahnder werden im Vorfeld des Union-Spiels ihre Klientel vor der Reise nach Berlin warnen. Auch Aufenthaltsverbote und Meldeauflagen sind möglich – das gilt allerdings auch für die Problemfans des 1. FC Union.

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