Fußball-EM : Party am Tramgleis

In 20 Tagen beginnt die Fußball-EM. Noch ist nicht klar, wo die Berliner Fans feiern sollen. Jetzt liegt dem Senat ein Konzept vor: Auf dem Alexanderplatz soll das Fanfest stattfinden. 160.000 BVG-Fahrgäste hätten täglich das Nachsehen. Ein Pro & Contra.

André Görke

Das wird eng, nicht nur zeitlich. In 20 Tagen beginnt die Fußball-EM, und in Berlin ist noch immer nicht klar, wo die Fans gemeinsam feiern können. Ein Konzept liegt bei den Senatsbehörden auf dem Tisch – für ein Fanfest auf dem Alexanderplatz.

Und das sieht so aus: Eine 80 Quadratmeter große Leinwand wird vor der Baustelle des neuen Saturn-Hauses errichtet; davor haben 30 000 Menschen Platz. Der Eintritt ist frei, das Gelände – wie schon die WM-Meile vor zwei Jahren – wird umzäunt. Das hat den Vorteil, dass keine Glasflaschen und nicht zu viele Menschen aufs Fanfest gelangen, aber den Nachteil für die Kaufhäuser, dass der Zaun wenige Meter vor ihren Schaufenstern verläuft.

Verkehrsexperten sind noch skeptisch. Die BVG sagt: Die Eingänge zu den U-Bahnhöfen – Fluchtwege ins Freie – dürfe man nicht versperren. Zudem rollen über diesen Platz 600 Straßenbahnen am Tag. Gut, die könne man umleiten, aber dann wird’s an anderen Kreuzungen eng, am Memhardtknoten etwa, Karl- Liebknecht-Straße Ecke Memhardstraße. Und was sollen die 160 000 Fahrgäste sagen, die schleppend vorankommen, aber bis zum Nachmittag einen leeren Alex sehen – die Spiele beginnen schließlich erst um 18 Uhr? Außerdem, so fragt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung: „Wer bezahlt die Fahrgastinfos?“

Die Macher der Fanfestes, die fest mit einer Zusage rechnen, sind optimistisch und sagen: „Bis 16 Uhr könnte der Verkehr über den Platz wie gewohnt fahren.“ Außerdem sei das befürchtete Verkehrschaos während der WM ausgeblieben, stattdessen arrangierten sich die Berliner und strömten in Massen aufs Fest. Sie sagen aber auch: „Wir wären lieber mit dem Fest drei Wochen lang auf den 17. Juni gegangen.“ Dort gibt es ein bewährtes Sicherheitskonzept; kein Bus, keine Tram müsste umgelenkt werden. Autofahrer kennen wegen der ständigen Sperrungen Ausweichrouten. Der Senat aber will dort nur die letzten drei Spiele zeigen lassen. Für die ersten zwei EM-Wochen müsste das Fest also woanders hin, schließlich wollen Zehntausende feiern – bei Spielen der deutschen Mannschaft kann daraus schnell eine halbe Million werden.

Die Veranstalter haben jeden Platz geprüft: Potsdamer Platz („zu klein“), Olympischer oder Zentraler Festplatz („zu weit weg“), Schlossplatz („Baustelle“), die Reichstagswiese („wird gerade frisch begrünt“), das Areal vor dem Roten Rathaus („der Neptunbrunnen stört“) oder Spreebogenpark („Sollen Polizeitaucher die Fans aus dem Fluss fischen?“). Und auf dem Washingtonplatz am Hauptbahnhof befinden sich die Nottüren des Tunnels.

Blieb der Alex. In dieser Woche fällt die Entscheidung. Bei einem Ja – und das ist nicht unwahrscheinlich – bliebe eines unklar: Wo die Fans das erste EM-Spiel gucken. Da ist der Alex reserviert vom Tourismusverband der Balearen. Das Fest würde somit am 8. Juni beginnen. Pünktlich zum ersten Spiel der Deutschen.

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