Fußball-Hooligans : GdP-Chef: Einsatz war richtig - aber teuer

Der Polizei-Einsatz gegen Dynamo-Fans in Berlin erhitzt die Gemüter: Betroffene wollen klagen, die Gewerkschaft der Polizei fordert eine Sondersitzung des Innenausschusses, die CDU sieht die Sicherheit zur WM gefährdet.

Berlin (22.08.2005, 17:07 Uhr) - Die CDU forderte am Montag einen Haushalt für die Sicherheit der Weltmeisterschaft in Berlin. Dafür sei noch kein Cent in den Haushalt eingestellt worden. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) verlangte eine Sondersitzung des Innenausschusses im Abgeordnetenhaus. Betroffene äußerten Kritik an dem nach ihrer Aussage unverhältnismäßig harten Vorgehen der Polizei selbst gegen Frauen.

Der innenpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Frank Henkel, sagte, die WM-Sicherheit werde einige Millionen Euro kosten. Ohne zusätzliche Mittel könne der Senat keine Sicherheit garantieren. Innensenator Ehrhart Körting (SPD) müsse auf der nächsten Sitzung des Innenausschusses erklären, wie die Polizei auf die WM vorbereitet sei. Die Polizei aus anderen Bundesländern sei bei der WM gebunden und könne nicht wie bei dem jüngsten Einsatz in Berlin aushelfen. Der Sprecher der Berliner Innenverwaltung, Martin Steltner, sagte dazu: «Die Sicherheit bei der WM wird umfassend gewährleistet.»

GdP-Chef Schönberg und Henkel nannten es bedenklich, dass allein für ein Spiel der 4. Liga Kosten von insgesamt 140.000 Euro anfielen und mehr als 1100 Polizisten im Einsatz waren.

Bei einer Razzia in einer Berliner Discothek hatte die Polizei in der Nacht zu Sonntag 158 Fußball-Anhänger festgenommen. Zuvor waren 188 Fans dort näher überprüft worden. «Alle zählen nach Erkenntnissen der Polizei zum engeren Kreis der als gewaltbereit bekannten Hooligan-Szene», hieß es. Fünf Hooligans wurden einem Richter vorgeführt, der gegen alle ein Anschlussgewahrsam verhängte. Von Sonntag 18.00 Uhr an wurden die Festgenommenen entlassen. Damit sollten vor dem Fußballspiel zwischen den Oberligisten 1. FC Union und BFC Dynamo Rädelsführer identifiziert und Ausschreitungen verhindert werden.

Polizei verteidigt Einsatz

Der Berliner Journalist Steve Winkler, Augenzeuge und Betroffener, kündigte an, er werde ebenso wie weitere Bekannte gegen die beteiligten Polizeibeamten klagen. «Der Einsatz war unglaublich brutal», sagte er. Obwohl völlig unschuldig, seien er und seine Freunde bis zum nächsten Abend in Polizeigewahrsam festgehalten worden. Auf seine Nachfrage hin seien ihm Schläge angedroht worden.

Die Polizei verteidigte den Einsatz gegen Kritik. «Wir haben ein Zeichen gesetzt», sagte ein Sprecher. Der BFC hatte der Polizei vorgeworfen, eine «Übung» veranstaltet zu haben. Der Sprecher verwies auf einen Gerichtsbeschluss. Der Großeinsatz hatte gegen 1.30 Uhr in der Discothek «Jeton» an der Frankfurter Allee im Bezirk Friedrichshain begonnen, wo mehr als 200 Dynamo-Fans versammelt waren. Die Discothek sei ein Treffpunkt gewaltbereiter Fußballfans.

Die Polizei hatte nach eigenen Angaben Erkenntnisse, wonach in der Discothek Straftaten verabredet werden sollten. So sollten von Sonntagmorgen an gezielt Konfrontationen mit Union-Anhängern und der Polizei gesucht werden. Die Randalierer gehören laut Polizei der Türsteherszene an und seien besonders gewalttätig. «Um jegliche Widerstandsgedanken im Keim zu ersticken, war ein entschlossener und konsequenter Polizeieinsatz notwendig», sagte ein Sprecher.

CDU und GdP lobten den Einsatz der Polizei. Henkel sagte, dieser «war notwendig und erfolgreich. Gewaltbereiten Hooligans wurde damit schon vor dem Anpfiff die Rote Karte gezeigt.» Dies sei das richtige Signal der Polizei für die Fußball-WM im nächsten Jahr. (tso)

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