Berlin : Fußball-Rugby

Australian Football ist ein Sport mit Körperkontakt – und Bier

Christian Gödecke

Berlin. Frank Donat muss jetzt einfach rauchen. Der 37-Jährige steht an diesem Samstag mit freiem Oberkörper neben der Parkbank und zieht an seiner Zigarette. In der linken Hand hält er ein Bier. Sein Trikot liegt auf der Wiese im Treptower Park, die eben noch ein Australian-Football-Feld war. Jetzt haben sich die Berlin Crocodiles und Hamburg Dockers neben der zur Auswechselbank umfunktionierten Parkbank zusammengefunden. Mit Bier und Zigaretten.

„Australian Football ist in Deutschland ein Hobby-Sport. Man trifft sich, um zu spielen und danach zu feiern“, sagt Donat, der vor einem Jahr eher zufällig zum „Footy“, wie die Spieler den australischen Nationalsport nennen, kam. „Footy ist ein Teamsport mit Vollkontakt. Und gut für die Kondition.“ Donats Verein, die Berlin Crocodiles, ist der einzige Australian-Football-Klub in der Hauptstadt. Und ohne Johannes Junius würde hier wohl noch keiner diese Mischung aus Rugby und Fußball kennen. 1996 hatte Junius in Frankfurt am Main den ersten Footy-Klub Deutschlands gegründet. Vor vier Jahren kam er nach Berlin. „Ich wollte den Sport auch hier populär machen", sagt Junius.

Australian Football wird auf einem 165 mal 145 Meter großen Feld gespielt. „Aber es gibt in Berlin keinen so großen Sportplatz“, sagt Junius. Deshalb müssen die Crocodiles auf die Wiese des Treptower Parks ausweichen. Auch sonst wird improvisiert. Die Stangen, durch die der ovale Spielball mit dem Fuß befördert werden muss, sind bei den Crocodiles aus alten Wasserrohren zusammengebaut. Und die langen Anfahrtswege zwischen den fünf Städten der AFLG führen manchmal dazu, dass ein Auswärts-Team weniger Spieler mitbringt.

Die Hamburg Dockers sind an diesem Samstag nur zu neunt. Und so muss Christopher Jones von den Crocodiles beim Gegner spielen. Jones ist wie Junius eher schmächtig und passt so gar nicht ins Klischee der Hünen aus der australischen Profiliga. Der Australier kam 1999 nach Deutschland und arbeitet als Webdesigner in Berlin. Er ist die australische Konstante im Team. Ansonsten ist die Fluktuation bei den Ausländern groß. „Die Australier machen die deutschen Spieler besser“, sagt Jones. „Aber einige sind nur für zwei Monate in der Stadt.“ Jones würde sich über mehr Nicht-Australier freuen. Vielleicht auch, weil sich seine Landsleute nicht leicht tun mit der deutschen Gründlichkeit. „Vor jedem Spiel müssen Löcher zugeschüttet und die Torstangen aufgebaut werden“, sagt Junius. „Aber wenn ich den Australiern sage, sie sollen zwei Stunden vorher da sein, kommen sie doch erst kurz vor Anpfiff.“ Auch seien sie immer als Erste wieder weg.

Auch heute, zwanzig Minuten nachdem die Crocodiles das Spiel mit 84:47 gewonnen haben, sitzen nur noch wenige auf der Parkbank. Die Plastikstangen liegen auf der Wiese. Sie ins Auto zu schleppen, bleibt mal wieder an Junius hängen. Nach wenigen Minuten kommt er zurück. Er hat die Bierkästen vergessen. Sie sind leer.

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