Berlin : Fußballfans sollen in Messehallen schlafen

Böger stellt Senatspläne für Weltmeisterschaft vor. Wowereit befürchtet erhebliche Verkehrsprobleme

Lars von Törne

An zentralen Plätzen stehen „City Guides“ und weisen den WM-Touristen vielsprachig den Weg. Im U-Bahn-Fernsehen laufen Informationsfilme für die Gäste aus aller Welt. Und legen sich die Fußballfans abends zur Ruhe, dann tun sie dies unter anderem in den Messehallen, die zu Schlafsälen umfunktioniert werden sollen. Besucherfreundlich und unkompliziert könnte es während der Fußball-Weltmeisterschaft zugehen – wenn alles so läuft, wie es Senat und Verwaltung sich vorstellen.

Wie weit die Vorbereitungen auf die WM fortgeschritten sind, führte Sportsenator Klaus Böger (SPD) in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen aus. So arbeiten Verwaltung, WM-Veranstalter und Verkehrsbetriebe an einem Plan, Orientierungshelfer an stark frequentierten Orten einzusetzen. Ein WM-Ticket für BVG und S-Bahn soll es zwar nicht geben, aber immerhin gelten Stadiontickets als Tageskarte für den Nahverkehr. Um auf fremdsprachige Anfragen vorbereitet zu sein, werden etliche BVG-Mitarbeiter geschult. So besuchen 50 Verkaufsschaffner bis zum Juni Intensiv-Englischkurse. Außerdem stellt die BVG mehrsprachige Informationsmaterialien her. Eine allgemeine WM-Broschüre haben Tourismuswerber und Senat unter dem Titel „Die Welt zu Gast bei Freunden“ erarbeitet.

„Premiumstraßen“ lautet das Zauberwort, mit dem die Senatsverwaltung verhindern will, dass zur WM allzu viele Straßen und öffentliche Plätze durch Baustellen belastet sind. Laut Böger hat die Verkehrsverwaltung ein Netz von Straßen benannt, die zwischen Mai und Mitte Juli baustellenfrei sein sollen, derzeit wird der Plan mit Polizei und Bezirken abgestimmt. Größere Baustellen wie die am Pariser Platz sollen zur WM beseitigt bzw. unter die Erde gelegt werden. Der Abriss des Hotels Unter den Linden soll bis Juni abgeschlossen sein.

Unkonventionelle Ideen entwickelt die Landesregierung zum Thema Übernachtungen. Um allen Fans, die nicht in Hotels, Pensionen oder dem Fan-Camp hinter dem Hauptbahnhof unterkommen, ein Nachtquartier anbieten zu können, wird Böger zufolge erwogen, Fans in Sportanlagen, Schulen und Jugendhäusern unterzubringen. Auch die Umwandlung der Messehallen könne er sich vorstellen.

Was den Innenstadtverkehr während der WM betrifft, macht sich der Senat wenig Hoffnungen, dass das befürchtete Chaos rund um die Fanmeile westlich des Brandenburger Tors vermieden werden kann. „Erhebliche Störungen im zentralen innerstädtischen Bereich sind nur dann vermeidbar, wenn es gelingt, das auf der Straße des 17. Juni übliche Verkehrsaufkommen um fünfzig Prozent zu vermindern“, heißt es in einer Antwort des Regierenden Bürgermeisters auf eine weitere Anfrage der Grünen. Klaus Wowereit appellierte an die Berliner, „große Flexibilität“ zu zeigen und mehr als sonst auf Busse und Bahnen umzusteigen.

Infos zur WM-Broschüre unter Telefon 250025 oder im Internet www.berlin-tourist-information.de/fifawm2006

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