Berlin : Fußballstift und Sammelbild: So freuen sich die Kinder

Annette Kögel

Wisst ihr, was am Freitag in Deutschland beginnt? „Ja, die Bundesjugendspiele!“, sagt ein Junge auf dem Pausenhof. „Die Olympischen Spiele!“, ruft ein anderer im Klassenraum. „Neeeiin“, schallt es aus vielen anderen Mündern: „die WM!“

Auch Berliner Kinder sind im Fußballfieber, wie die Mädchen und Jungen der Klasse 4 a der Erika-Mann-Grundschule in Mitte. Es ist die erste Weltmeisterschaft, die sie bewusst miterleben – „und Fußball ist bei uns oft Thema“, sagt Klassenlehrerin Susanne Peper. Unten auf dem Hof tauschen Jungs Fußballbildchen, fünf Stück für 50 Cent, die Stapel sind schon so dick wie alle Schulhefte zusammen. „Bei einem Streit bauen sich die Kinder manchmal vor ihrem Kontrahenten auf und strecken die Brust so raus wie die Spieler vorm Schiedsrichter“, sagt Susanne Peper. „Die Spieler sollten sich dessen bewusst sein, dass sie auch bei der Körpersprache eine Vorbildfunktion besitzen.“ Peper fühlt sich vor der Klasse selbst wie ein Coach und hegt Sympathien für Jürgen Klinsmann, „weil der mit seinen Jungs auch sehr pädagogisch umgeht“.

Viele aus der Klasse wollen Fußballprofi werden. „Mir gefällt Fußball, weil man sich so schön bewegen kann“, sagt die elfjährige Fatima, die gern mit ihrem Kopftuch im Sportdress hinterm Ball her flitzt und mit einem Stift schreibt, der mit Fußbällen verziert ist.

Rund 30 Spielerinnen trainieren in der Mädchen-Fußball-Arbeitsgemeinschaft von Sportlehrer Klaus Gröger; genauso viele Schüler kicken bei Jungen-AGCoach Guido Richter. Auch Timon aus der 4 a hat sein Deutschlandtrikot in der Schultasche dabei. „Das Interesse ist riesig, wir könnten noch mal so viele Kinder aufnehmen“, sagt Gröger. Beim Fußball könnten die Kinder viel lernen: kämpfen, gewinnen, verlieren, Regeln beachten, sich fair verhalten. Mit ihren kleinen Kickern wollen die Lehrer die Adidas-Arena besuchen – und während eines Projekttages in den Botanischen Garten gehen, der vom 10. bis 12. Juni Pflanzen aus den Teilnehmerländern ausschildert. Bei der Mini-WM der Berliner Schüler lief die Erika-Mann-Mannschaft kürzlich als „Portugal“ auf.

Wer soll bei den Erwachsenen Weltmeister werden? „Deutschland ist mein Lieblingsland“, sagt Sandy. „Nein, da spielen so viele Bayern mit, die mag ich nicht“, findet Timon. Özgür wird die WM live im Olympiastadion miterleben: „Meine Eltern haben Karten für Brasilien gegen Kroatien!“

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar