Berlin : Fußballtrainer als Exorzisten In St. Jacobi-Luisenstadt in Kreuzberg

wird schlechter Teamgeist ausgetrieben

Gunda Bartels

„Total normal“, sagt Küster Andreas Korn auf die Frage, unter welchem Motto die Gemeindearbeit steht. Pfarrer Rainer Hauke stimmt zu und verweist auf das breit gefächerte Angebot von St. Jacobi-Luisenstadt, mit dem die Gemeinde um alle Nachbarn von Jung bis Alt in der bunten Kreuzberger Umgebung wirbt.

Das Äußere der St.-Jacobi-Kirche ist alles andere als durchschnittlich. Ihr romanischer Backsteinturm leuchtet rot in der Novembersonne. Und die vorgelagerten Arkadengänge schirmen die 160 Jahre alte Kirche klösterlich vom Lärm der Oranienstraße ab.

Der drittletzte Sonntag im Kirchenjahr ist traditionell der Sonntag der Absage an das Böse, sagt Pfarrer Hauke. Er kündigt das Kommen des Herrn, den Advent an, dem das Austreiben böser Geister vorangeht. Jesus praktiziert das im Lukas-Evangelium bei einem Stummen, der daraufhin wieder spricht. In der Geschichte geht es nicht um Dämonen, sondern um den selbst gemachten Ungeist, der Menschen verstummen lässt, erklärt Hauke. Ideologische Verbohrtheit oder fixe und zwanghafte Ideen. „In keinem Gremium der Partei kann man mehr offen reden“, zitiert Hauke SPD-Chef Franz Müntefering – und fügt hinzu, „das gilt auch oft für Kirchengremien“. Rainer Hauke, der an der Universität der Künste lehrt, spricht unaufgeregt und in druckreifen Sentenzen wie „Fußballtrainer sind Exorzisten schlechten Teamgeistes“. Es ist eine anspruchsvolle Predigt, die mehr Fragen aufwirft, als sie Antworten gibt. Die Gemeinde lauscht voll konzentriert. Haben alle folgen können? „Natürlich!“, antworten einige alte Damen beim Hinausgehen. „Außerdem können wir ja jederzeit nachfragen.“

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