Fußballverein : Flüchtlinge kicken gegen die Langeweile

Der Verein "Champions ohne Grenzen" will den Berliner Flüchtlingen mit Fußball helfen. Männer, Frauen und Kinder können spielen - ganz ohne bürokratische Hürden.

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Ein Berliner Verein bietet offene Trainingseinheiten für Männer, Frauen und Kinder an, die als Flüchtlinge in die Stadt gekommen sind. Foto: picture alliance / dpa
Ein Berliner Verein bietet offene Trainingseinheiten für Männer, Frauen und Kinder an, die als Flüchtlinge in die Stadt gekommen...Foto: picture alliance / dpa

Monatlich kommen derzeit rund 1250 Flüchtlinge in Berlin an – 1250 Menschen, die sich erhoffen, hier eine Zukunft zu haben, hier zu leben und zu arbeiten. Arbeiten aber können sie zunächst nicht, und selbst wenn sie es dann dürfen, ist es schwer bis unmöglich, einen Job zu finden. Die Unterkünfte, in denen sie oft mit vielen anderen hundert Flüchtlingen unterkommen, bieten wenig Abwechslung. „Gerade bei den jungen Männern herrscht oft eine gähnende Langeweile“, sagt Carolin Gaffron von „Champions ohne Grenzen“. Dieser gähnenden Langeweile will der Verein, der sich vor gut zwei Jahren gegründet hat, begegnen. Und zwar mit Sportangeboten. Mit Fußball. „Fußball verbindet“, sagt Gaffron.

Der Verein bietet offene Trainingseinheiten für Männer, Frauen und Kinder an. Die Männer etwa treffen sich jeden Mittwoch auf einem Platz in Kreuzberg – um die 30 Kicker kommen da jeweils zusammen. Auch einige, die einst im Protestcamp auf dem Oranienplatz campierten, sind darunter. Für die Kinder gibt es Angebote in Flüchtlingsheimen in Marienfelde, Pankow, Lichtenberg und Schöneberg. Die Frauen können in Mitte trainieren.

„Wir werben auch dafür, dass sich die Vereine für Flüchtlinge öffnen“, sagt Gaffron. Aber da gibt es oft bürokratische Probleme. Meist geht es darum, dass Papiere vorgelegt werden müssen, um einen Spielerpass auszustellen. Das kann mühselig sein und dauern, da Dokumente aus dem Heimatland besorgt werden müssen. Erst in der vergangenen Woche wurden Fälle in Rheinland-Pfalz bekannt, dass Kinder und Jugendliche, die ohne ihre Eltern nach Deutschland gekommen waren und in Heimen lebten, keine Spielerpässe erhielten.

Zudem verhindern mangelnde Sprachkenntnisse eine Verständigung auf dem Spielfeld. „Und der Trainer kann dann keine Rücksicht darauf nehmen, dass er vielleicht nicht verstanden wird“, sagt Gaffron. Selbst wenn diese Hürden überwunden sind, bleibt manchmal das Problem, dass das Geld fehlt, den Vereinsbeitrag zu zahlen. „Zehn Euro können viel Geld sein, wenn man auch noch den Anwalt für das Asylverfahren zahlen muss“, sagt Gaffron.

Am Freitag beschäftigt sich erstmals ein Kongress im Abgeordnetenhaus damit, wie diese Probleme zu lösen sind. Vertreter von Sportverbänden, Wohlfahrtseinrichtungen und der Politik werden sich der Frage widmen: „Fußball – ein Spiel ohne Grenzen?“

Infos gibt es im Internet unter www.championsohnegrenzen.de.

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