Berlin : Futter bei die Fische

Heute öffnet die Unterwasserwelt im Dom-Aquarée. Nur der Krake fehlt – und Nemo

Stefan Jacobs

Wenn heute um 10 Uhr die Unterwasserwelt im Dom-Aquarée öffnet, wird nur ein einziges von mehr als 30 Becken unbewohnt sein: Der Krake landet nämlich erst heute Abend in Tegel. Er kommt aus einem spanischen Sea-Life-Zentrum und reist allein, aber Oberfischpfleger Martin Hansel holt ihn ab. Alle anderen Fische sind rechtzeitig eingetroffen – die meisten per Lastwagen von einer Aufzuchtstation in Südengland.

Der Rundgang beginnt an den Spreequellen, wobei der gemalte Hintergrund eher an die Alpen erinnert als an die Oberlausitz. Man läuft unter Tannenzweigen hindurch, passiert einen hohl klingenden Baumstumpf und erreicht schon nach wenigen Schritten den Wannsee. Dort kreischen Möwen zu Sphärenklängen aus dem Lautsprecher; im Hintergrund erhebt sich das Schlösschen auf der Pfaueninsel. Es gibt kaum Pflanzen in den Becken, so dass Karpfen & Co. gut zu sehen sind – vor allem für Kinder, die den Fischen durchs Plexiglas direkt in die Augen schauen können. Zwischendurch erklären Info-Tafeln, wie Pestizide ins Wasser gelangen, ob Fische riechen können und ob sie trinken müssen.

Begleitet von solchen Erklärungen gelangt man die Elbe entlang zu Makrelen und Heringen, die durch schummrig blaues Licht in endloser Prozession gegen die Strömung schwimmen. Der Anblick hätte etwas Meditatives, wenn nicht im selben Raum ein „flüsternder Fisch“ aus Blech stünde, der auf Knopfdruck mit Quäkstimme die Fischstäbchen-Industrie geißelt. Er wird vom blechernen Hai nebenan getoppt, der mit rheinischem Akzent seine Körpermaße beklagt. Bei Haien und Rochen läuft man mitten durchs Revier. Ein aus Lautsprechern tobendes Gewitter wird durch die Ansage „Herr Hansel bitte zum Hamburger Hafen!“ unterbrochen, aber das stört im Unterwassertunnel kaum. Abrupt ist der Übergang in den Souvenirladen voller Plüschkrabben und Radiergummi-Fische.

Die größte Attraktion kommt zuletzt: Der „Aqua-Dom“, jener 16 Meter hohe Acrylglaszylinder, in dem man per Doppelstock-Aufzug langsam durch Schwärme bunter Tropenfische fährt. Manchmal schwimmt auch ein Taucher vorbei, und wenn man Pech hat, verteilt er gerade Futter, so dass sich die ganze Versammlung an einem Fleck drängt und ringsum ein totes Meer hinterlässt. „Wo ist Nemo?“, war die häufigste Frage bei der gestrigen Vorab-Fahrt. Nemo, der Clownfisch zum Film, war nicht vorgesehen. Aber er soll bis Weihnachten nachgeliefert werden – wenn er rechtzeitig gefunden wird.

Karl-Liebknecht-Straße, Eingang über Spandauer Straße; täglich 10 bis 18 Uhr. Eintritt: 13,50 Euro, diverse Ermäßigungen.

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