• Gabriele Nissim stellte sein Buch vor und regte eine Gedenkstätte vor dem Reichstag an

Berlin : Gabriele Nissim stellte sein Buch vor und regte eine Gedenkstätte vor dem Reichstag an

Alexander Pajevic

Die Züge standen schon auf den Gleisen, um die Juden Bulgariens im März des Jahr 1943 in die Gaskammern von Auschwitz zu deportieren. Doch im letzten Augenblick widersetzte sich die mit Deutschland verbündete Regierung den Plänen der Nazis. Die Deportation wurde gestoppt, und 48 000 Menschen entkamen dem sicheren Tod.

Ihre Rettung ist das Verdienst eines einzigen Mannes: Der damalige stellvertretende Parlamentspräsident Dimitar Pesev hatte bis zu diesem Zeitpunkt das Bündnis zwischen Deutschland und Bulgarien und sogar die antisemitischen Rassengesetze mitgetragen, bis er schließlich die Unmenschlichkeit des Systems erkannte und in einer halb furchtsamen, halb leidenschaftlichen Aktion den bulgarischen Zaren und das Parlament davon überzeugte, die Züge zu stoppen.

Der italienische Publizist Gabriele Nissim hat sich auf die Spur dieses Mannes gemacht. Am Dienstag wurde die deutsche Übersetzung seines Buches "Der Mann, der Hitler stoppte" im Reichstag und im Literaturhaus in der Fasanenstraße vorgestellt. Sowohl Parlamentspräsident Wolfgang Thierse wie auch sein bulgarischer Kollege Jordan Sokolov würdigten die Verdienste Pesevs. "Es ist wohl einmalig in der Geschichte, dass zwei Parlamentspräsidenten in Deutschland zur Präsentation eines Buches kommen, das ein italienischer Autor über einen Bulgaren geschrieben hat", sagte Thomas Sparr, Cheflektor des verantwortlichen Siedler Verlags.

Pesev starb 1973 verarmt in Sofia. Als die Rote Armee Bulgarien besetzte, wurde er wegen antisowjetischen Verhaltens zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Erst seit dem Erscheinen von Nissims Buch vor zwei Jahren in Italien hat man sich seiner Leistung wieder erinnert. Auf der Internetseite der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem führt er jetzt die Liste der Gerechten unter den Völkern an und im Europäischen Parlament in Straßburg wurde eine Büste von ihm aufgestellt.

Nissim hat den Berlinern einen Vorschlag unterbreitet, wie auch sie Pesev gedenken könnten. "Es wäre sehr schön, wenn in Berlin in der Nähe des Reichstags wie in Yad Vashem Bäume für die Gerechten gepflanzt würden", sagte er. "Und es wäre schön, wenn Pesev der Erste sein könnte."

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