Berlin : Gärten als Notausgang – Lichtenrader wollen klagen

Die Bahn plant ein ungewöhnliches Rettungskonzept in Tempelhof Anwohner sollen auf ihrem Grundstück einen Fluchtweg zur Straße freihalten

Klaus Kurpjuweit

Man stelle sich vor: Familie K. sitzt im Garten am Kaffeetisch und plötzlich bekommt sie Gesellschaft von hunderten Fremden, die über den Rasen irren. In Lichtenrade kann dies bald passieren. Denn das Evakuierungskonzept für die Dresdner Bahn sieht vor, dass Grundstücke der Anwohner als Fluchtweg genutzt werden. Die Türen an der geplanten Lärmschutzwand entlang der Bahnstrecke führen direkt auf elf Grundstücke. Dort müssen die Anwohner einen Fluchtweg bis zur Straße freihalten. Die Pläne liegen derzeit aus.

Ob die Bahn mit diesem Konzept durchkommt, wird sich wahrscheinlich vor dem Bundesverwaltungsgericht entscheiden. Anwohner wollen gegen die Pläne klagen. Rund 50 000 Euro seien dafür erforderlich, sagt Boto Mertins von der Bürgerinitiative Lichtenrade Dresdner Bahn. Man sei nahe dran, die Summe zu erreichen. Um die Dresdner Bahn, auf der nach dem Ausbau des Flughafens Schönefeld auch der Airport-Express vom Hauptbahnhof zum Flughafen fahren soll, wird seit Jahren gestritten. 1952 fuhren hier zum letzten Mal Fernzüge, die sich mit der S-Bahn die Gleise teilten.

Jetzt sollen neben den Anlagen der S-Bahn zwei Gleise neu für die Fern- und Regionalzüge gebaut werden. Für die Bahn handelt es sich dabei um den Wiederaufbau einer bereits vorhandenen Trasse, Anwohner sehen darin einen Neubau. Der kleine Unterschied wirkt sich groß aus. Denn bei einem Neubau würden strengere Auflagen gelten als bei einem Wiederaufbau.

Anwohner fordern, dass die Gleise in einen Tunnel gelegt werden, um Lichtenrade nicht durch Lärmschutzwände zu teilen. Die Bahn dagegen sieht einen ebenerdigen Bau vor – wie bei der alten Trasse. Während es ursprünglich in den Lärmschutzwänden keine Fluchttüren geben sollte, muss die Bahn jetzt nach neuesten Vorschriften im Abstand von 200 oder 300 Metern Öffnungen einbauen, die auf die Grundstücke von elf Anwohnern führen. Die Wände sind auf der westlichen Seite 3700 Meter lang, auf der östlichen, wo weniger Anwohner betroffen sind, 1640 Meter. Wie die bis zu vier Meter hohen Wände aussehen werden, steht noch nicht fest.

Ein Tunnel wäre viel stadtverträglicher, sagt Mertins. Problematisch seien bei der ebenerdigen Anlage die steilen Rampen der vorgesehenen Unterführung der Bahnhofstraße in Lichtenrade. Bei starkem Regen könnte die Unterführung schnell voll Wasser laufen – wie zuletzt beim Flughafentunnel Tegel. An der Buckower Chaussee hat die Bahn auf eine Unterführung verzichtet. Hier soll die Straße die Gleise auf einer Brücke überqueren.

Der Planfeststellungsbeschluss für die Dresdner Bahn liegt frühestens im nächsten Jahr vor. Als Bauzeit sind vier bis fünf Jahre vorgesehen. Bahnchef Hartmut Mehdorn hat in der Vergangenheit mehrfach gesagt, wenn der Flughafen in Schönefeld fertig sei, sei auch die Dresdner Bahn betriebsbereit. Auf dem neuen BBI-Flughafen soll der Betrieb Ende 2011 beginnen.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben