Berlin : Gärtner Joachim Fiedler muss dieses Jahr kürzer treten

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Sogar im Mai-Reisemagazin GeoSaison, das übrigens "Deutschlands aufregendste Metropole" (natürlich Berlin!) zum Titelthema erkoren hat, findet sich die traurige Botschaft: Die Kakteen auf den Beeten am Alexanderplatz strecken ihre Arme gen Himmel, als riefen sie um Hilfe. Der stadtbekannte Kakteengärtner Joachim Fiedler, der gewissermaßen mit Sukkulenten groß geworden ist, kann nicht mehr die Hochbeete auf dem Alex mit seinen Kakteen bepflanzen. Seit den 80er Jahren, immer im Mai, nach den Eisheiligen, war er mit dem Auto aus Mahlsdorf gekommen und hatte seine Kinder in die Erde getan - an einem Ort, wo sie niemand vermutet. In Sommertagen war der Platz ohne die Grüße aus den Wüsten nicht mehr denkbar. Man hatte sich an das bizarre Hochgewächs gewöhnt, es war ein schöner Treffpunkt, Hintergrund für Fotos jeder Art. Und sah schmuck aus.

Bis zu seinem 90. Lebensjahr war Joachim Fiedler, der im vergangenen Jahr mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt worden war, noch mit dem Auto gefahren, aber Ende 1999 erschütterte ihn ein leichter Schlaganfall. Jetzt, mit 91, ist es dem ältesten aktiven Gärtner der Stadt nicht mehr möglich, seine Agaven und Säulenkakteen aus den drei Mahlsdorfer Gewächshäusern zum Alex zu bringen und dort zu pflanzen. "Ich bin traurig darüber", sagt Joachim Fiedler und zerbricht sich den Kopf, was mit den Kakteen wird. "Wahrscheinlich pflanze ich sie in meinen Garten". Auch der Chef des Grünflächenamts in Mitte, Stefan Rauner, bedauert den Verlust seines besten Hobby-Mitarbeiters. "Auf das Alex-Beet kommt nun eine normale Sommerbepflanzung mit Steinkraut und Hahnenkamm". Kein Kaktus mehr? "Leider nein. Das kann kein anderer machen - Herr Fiedler war einmalig!"

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