Berlin : Gäste beim Mokka

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VON TAG ZU TAG

Bernd Matthies über Kriminalität und Alltag unter Berliner Türstehern

Unsere Rechtsbrecher sind wirklich nicht zu beneiden um ihren Alltag. Blechnapf, Hofgang, Tütenkleben, Umschluss – das war das einfache Leben der Vergangenheit. Heute dagegen: nichts als Termine. Begleiteter Ausgang mit einer anstrengenden Sozialarbeiterin, Drogentherapie, dann ein Besuch bei der Familie, wer soll das aushalten? Zumal, wenn dann bei Gebäck und Mokka plötzlich die Polizei hereinschneit und eine wilde Schießerei entbrennt.

Nein, komisch ist das eigentlich nicht. Die Sozialarbeiterin, die nichts ahnend dabeisaß, wird vermutlich den Schock ihres Lebens erlebt haben. Dennoch ist ihre Anwesenheit ein seltsames Zusammentreffen, das ein kleines Schlaglicht wirft auf die eigenartigen und manchmal kaum noch verständlichen Windungen der Resozialisierung, die oft genug allein zu Lasten der Polizisten gehen – denken wir nur an Dieter Wurm, den BusGeiselnehmer, der die Entlassung auf Bewährung wohl irgendwie falsch interpretiert zu haben scheint.

Nur ein seltsames Randgeschehen in einer tödlichen Tragödie? Wohl kaum. Wir ahnen schon jetzt die Prozessstrategie. Aber hallo, wird der Todesschütze vor Gericht einwenden, ich dachte, wir werden überfallen. Die Staatsgewalt hat doch mit uns zusammen Kekse gegessen, da wären wir nie drauf gekommen, dass sie gleichzeitig auch die Tür einschlägt, nicht wahr? Und so wird dann noch eine Art Notwehrdelikt aus dem Tod des Polizisten, sagen wir: aktive Selbstverteidigung. Denn die ist bei zünftigen Türstehern ja praktisch Ausbildungsinhalt.

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