Berlin : Gala der Guten

Bei der Aids-Gala in der Deutschen Oper wurde der verstorbene Loriot geehrt

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Benefiz nach Noten. Wie in den vergangenen Jahren stand auch diesmal Max Raabe als Moderator der Aidsgala am Mikro in der Deutschen Oper. Foto: dapd
Benefiz nach Noten. Wie in den vergangenen Jahren stand auch diesmal Max Raabe als Moderator der Aidsgala am Mikro in der...Foto: ddp

Das Gedenken an die Verstorbenen gehört seit jeher zur Kultur der Operngala für die Deutsche Aidsstiftung. Bei dem glanzvollen gesellschaftlichen Ereignis gilt es ja nicht nur, Mittel aufzutreiben für Infizierte und Erkrankte, sondern es geht auch darum, Krankheit und Tod zu enttabuisieren. Am Samstagabend wurde die Gala in der Deutschen Oper zum 18. Mal zelebriert – mit dem Untertitel „In Memoriam Vicco von Bülow“.

Der im August verstorbene Künstler hat wie kaum jemand dazu beigetragen, dass diese Art von Charitygala ein Erfolg werden konnte. In einem offenen Brief an den Verstorbenen bedankten sich die Veranstalter Alard von Rohr, Alfred Weiss und Ulrich Heide für seine unnachahmliche Art zu erklären, dass auch Operngestalten nur Menschen sind. „Wo immer Sie jetzt sein mögen – wir hoffen, dass Sie unserer Gala auch weiterhin Ihr Wohlwollen schenken.“

Der Abend wurde von Bundespräsident Christian Wulff und dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit eröffnet. Auch Wulff erinnerte an den Toten: „Wir wissen, dass Loriot in seinem Werk weiterleben wird.“ Er habe zuletzt noch geholfen, die Motive für die diesjährigen Wohlfahrtsmarken auszusuchen. Stets habe er Humor und das Gute zu verbinden gewusst. In seiner Rede forderte Wulff auch neue Netzwerke zur Aids-Aufklärung. Die Sorglosigkeit gerade junger Menschen mache ihn sprachlos. Auch Wowereit sprach von alarmierenden Aids-Zahlen, angesichts derer es keine Entwarnung geben könne.

Seit 25 Jahren gibt es die Deutsche Aidsstiftung, die von den Erlösen der Gala immer wieder unterstützt wurde. Über die schwierigen Anfänge und die erstaunlichen Erfolge sprach die Ehrenvorsitzende Rita Süssmuth. Gekommen waren unter anderem die Minister Daniel Bahr, Wolfgang Schäuble und Guido Westerwelle, der Unternehmer Hermann Bühlbecker, die Politiker Frank Henkel, Frank-Walter Steinmeier und Renate Künast, Tagesschau-Sprecherin Judith Rakers, DJane Marusha und die Holocaust-Überlebende Margot Friedlaender, die erst im Vorjahr von New York nach Berlin zurückgekehrt war und gestern ihren 90. Geburtstag feierte.

Die Erlöse des Abends waren bestimmt für die vom deutschen Pfarrer Stefan Hippler gegründete Organisation Hope Cape Town Association in Südafrika, das zu den von HIV am stärksten betroffenen Ländern gehört. Aber auch Hilfsprojekte in Berlin werden weiter unterstützt, zum Beispiel die Initiative „Positiv Wohnen“. Seit Beginn der Operngala wurden rund 5,6 Millionen Euro gesammelt. Das Ziel der 18. Gala lag darin, die Sechs-Millionen-Grenze zu erreichen. Dem kam man schon kurz vor Beginn ein großes Stück näher, als Unternehmensvertreter Schecks über insgesamt 360 0000 Euro überreichten.

Nach so viel Charity gab Dirigent Donald Runnicles mit dem Orchester der Deutschen Oper Rossinis Ouvertüre, unbeschwert bis heiter. Die Solisten, darunter Simone Kermes und Francesco Demuro, wurden nach dem gemeinsamen Schlusslied („Time to say goodbye“) mit stehendem Beifall bedacht und kaum von der Bühne gelassen. Max Raabe moderierte souverän und, wie er sagte, ein bisschen traurig. Er trug eigene Stücke vor, sehr komisch bis manchmal makaber, immer gelungen. Und an manchen Stellen fügte er „notwendige Bemerkungen“ – die originalen von Loriot. Elisabeth Binder

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