Berlin : Gala des Kaffeerösters

„Eduscho“ und die „Bild“-Zeitung laden zur Generalprobe von „Turandot“ in die Staatsoper

Frederik Hanssen

Wer dieser Tage einen Brief von der „Bild“-Zeitung zugeschickt bekommt, darf sich beglückwünschen: Er gehört zum erlesenen Kreis derer, die von dem Boulevardblatt und dem Kaffeeröster „Eduscho“ für würdig erachtet werden, einer Gala in der Staatsoper durch ihre Anwesenheit Glanz zu verleihen. Nur auf persönliche Einladung nämlich können 1400 Auserwählte Doris Dörries Neuinszenierung von Puccinis Oper „Turandot“ schon am 24. September – drei Tage vor der offiziellen Premiere – erleben. „Bild“ und „Eduscho“ haben sämtliche Tickets für den Abend aufgekauft und entscheiden darum, wer reinkommt und wer nicht: „Diese Einladung ist persönlich und nicht übertragbar“. Neben Prominenten aus Medien, Kultur und Politik (deren Namen natürlich noch streng geheim sind) dürfen allerdings auch einige ganz normale Opernfans dabei sein: Eduscho lässt sich die werbewirksame Chance nicht entgehen, Tickets zu verlosen.

Für all jene, die draußen bleiben müssen, gibt es immerhin einen Trost: In Wahrheit ist das Glamour-Event ganz einfach eine Generalprobe. Auch wenn „Bild“ und „Eduscho“ ihren Abend natürlich vornehm als „Vorpremiere“ ankündigen – und sich den Kalauer nicht verkneifen können, das Ereignis just auf den Namen einer beliebten Kaffeemarke zu taufen: nämlich „Gala“.

Ob sich denn die Zuschauer auch entsprechend anziehen werden? „Das hoffen wir schon“, sagt Charlotte von Kleist von der PR-Agentur „Schoeller & von Rehlingen“, die sich um die Gästeliste kümmert. Schließlich gibt es nicht nur anspruchsvolle, vom Stardirigenten Kent Nagano dirigierte Musik zu hören, sondern vorher, mittendrin und hinterher auch noch manche Gaumenfreude: Das beginnt mit einem Empfang um 18.30 Uhr und geht über den Pausensekt bis zum „kulinarischen Ausklang unter Mitwirkung des Restaurants Aigner/Gendarmenmarkt“ im Apollosaal und der Konditorei des Opernhauses.

Anders als bei der ersten Musiktheaterproduktion der Filmregisseurin Doris Dörrie vor zwei Jahren, als die Generalprobe von Mozarts „Cosi fan tutte“ zur Benefiz-Vorpremiere geadelt wurde, wird diesmal von den geladenen Gästen keine Spende für einen wohltätigen Zweck erbeten. So können sie ungestört Eindrücke von der ambitionierten Aufführung sammeln – ganz im Sinne eines der beiden Hauptsponsoren: „Bild dir deine Meinung“.

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