Berlin : Gala mit Geschichten undGeschichte Von Weizsäcker sprach beim Aspen-Jubiläum

Elisabeth Binder

Geschichtslektion zum Galaabend: Den 30. Geburtstag feierte das Aspen-Institut im Deutschen Historischen Museum. Nachdem dessen Direktor Hans Ottomeyer das Ambiente mit historischen Fakten unterfüttert hatte, sah sich auch Richard von Weizsäcker veranlasst, deutlich weiter als 30 Jahre zurückzublicken.

Der ehemalige Bundespräsident erinnerte daran, dass die noch jungen Vereinigten Staaten einst ihren ersten internationalen Vertrag mit Friedrich II. von Preußen geschlossen hatten. US-Botschafter Dan Coats erweiterte in seiner Ansprache das Themenfeld noch, auf dem sich das Aspen-Institut künftig verdient machen kann. Er erwähnte den verstörenden Anti-Amerikanismus in WestEuropa ebenso wie die gemeinsamen globalen Herausforderungen, den Umgang mit Afghanistan und Irak etwa und die Bekämpfung des internationalen Terrorismus bei gleichzeitiger Beibehaltung „unserer demokratischen Werte. Gute Absichten werden glaubwürdig gemacht nur durch gute Ergebnisse.“ Es seien immer gemeinsame Werte gewesen, die die transatlantischen Verbindungen aufrechterhalten hätten. „Strategische Interessen machen Kooperation notwendig.“ Insofern hoffe er, dass auch künftig noch viele US-Botschafter an Geburtstagsfeiern des AspenInstituts teilnehmen.

Richard von Weizsäcker erzählte von einen Sommertag in Aspen, Colorado, an dem nach einem Volleyballspiel die Idee für das Institut entstand, und wie er es selbst als besondere Ehre empfunden habe, als er den Gründungsdirektor Shepard Stone zum Ehrenbürger der Stadt ernennen konnte. Beim Kalbsfilet in Blätterteig ließen die Gäste die Diskussionen des Tages Revue passieren. Bei denen ging es darum, ob die Vereinten Nationen und das internationale Recht mit den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts fertig werden können. Hauptredner des Abends war der international renommierte Politikwissenschaftler Francis Fukuyama, der für eine internationale Organisation warb, die, anders als die Vereinten Nationen, eine Verpflichtung auf die Menschenrechte voraussetzen kann. Als gegen halb zwölf auch das Dessert verspeist war, ging es zur „Night Owl Discussion“ in die Tadschikische Teestube.

Schon das Dinner hatte dem nützlichen Zweck des Geldauftreibens gedient. In der Teestube breitete sich entspannte Arbeitsatmosphäre aus. Die Nachteulen zogen die Schuhe aus, Aspen-Chef Jeff Gedmin befreite sich von seiner Krawatte. Mit dem Islamwissenschaftler Tariq Ramadan folgte eine heiße Diskussion bis in den frühen Morgen. Eins wurde deutlich: 30 ist ein gutes Alter, um sich mit den vielfältigen Problemen auseinander zu setzen, die dem Kalten Krieg gefolgt sind. Wer je gedacht hat, die Mission sei erfüllt, konnte erkennen, dass die Konfrontation zwischen Ost und West eher eine Trainingseinheit war.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben