Galeries Lafayette : Vor 20 Jahren eröffnete das Kaufhaus mit französischem Stil

Französischer Lebensstil in der Friedrichstraße: Vor 20 Jahren war die Eröffnung des Kaufhauses ein großer Grund zum Feiern. Nun laden die Galeries Lafayette zur Geburtstagsparty.

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Blick nach unten. Galeries Lafayette in der Friedrichstraße
Blick nach unten. Galeries Lafayette in der FriedrichstraßeFoto: Reuters

Was haben Jakarta, Beijing, Casablanca und Dubai mit Berlin gemeinsam? Ganz einfach. In allen drei Städten kann man beim Shopping französischen Lebensstil zelebrieren, denn hier befinden sich die internationalen Filialen der Galeries Lafayette. An diesem Wochenende wird an der Friedrichstraße der 20. Geburtstag gefeiert.

Als das Haus 1996 eröffnete, brachte es einen mächtigen Schwung Lebensqualität in die damals noch vergleichsweise düstere Friedrichstraße. Die war so lange Baustelle gewesen, dass zwischenzeitlich sogar das Prominentenlokal Borchardt schließen musste. Und nun gab es plötzlich authentische Croissants und echt knusprige Baguettes in der Gegend und dazu in der Épicerie köstlichen Joghurt und feine Konfitüren. Wo einst der Sozialismus seinen grauen Lauf genommen hatte, konnte man plötzlich Éclairs naschen, Madeleines und Tarte Tatin, Entenpastete, Hummerterrine, teuren Cognac und Winzerchampagner. Diese Eröffnung war damals, als die Erinnerung an die einst geteilte Stadt noch vergleichsweise frisch war, auch ein Signal für einen Schub an Lebensqualität. Auferstanden aus dem Bauschutt war ein glänzendes „Vive la France“, und die ungewöhnliche Architektur, das gläserne Ei im Innern als luxuriöse Verschwendung von Platz, unterstrich diesen Eindruck noch.

Französisches Savoir Vivre

Endlich konnte man hier Marken wie Cacharel und Agnès B. kaufen, Kosmetik und Accessoires von Chanel, Yves Saint Laurent. Lanvin und Co., dazu Taschen und Tücher mit der Aura des typischen französischen Savoir Vivre.

Auferstanden aus dem Bauschutt. Zur Eröffnung der Galeries Lafayette am 29. Februar war die Straße abgesperrt, Tausende kamen, um den neuen Luxus zu erleben, der an der Friedrichstraße eingezogen war. Auch wegen der ungewöhnlichen Konstruktion des Architekten Jean Nouvel, der gefeiert wurde, während der Ansturm an der Austern-Bar groß war. Das gläserne Ei im Innern des Kaufhauses wurde als luxuriöse Verschwendung von Platz wahrgenommen. Ursprünglich war ein Ableger des Lafayette bereits Ende der 20er Jahre geplant gewesen – am Leipziger Platz, wo heute die Mall of Berlin steht.
Auferstanden aus dem Bauschutt. Zur Eröffnung der Galeries Lafayette am 29. Februar war die Straße abgesperrt, Tausende kamen, um...Foto: Reuters

Das Entzücken, mit dem man die schöne neue Konsumwelt an genau dieser Ecke der Stadt begrüßte, war echt. Ein bisschen feierte man auch den Sieg über ein System, das den Menschen so lange verwehrt hatte, wonach sie begehrten.

Dabei gab es seitens der französischen Kaufhausbetreiber sogar schon in den 20er Jahren Überlegungen, eine Filiale in Berlin zu eröffnen. Das wäre auch fast passiert, hätte nicht der „Schwarze Freitag“ 1929 mit seinen desaströsen wirtschaftlichen Auswirkungen diese Pläne zunichte gemacht. Sogar der Ort stand schon fest. Man hatte sich den Leipziger Platz ausgeguckt, wo jetzt die „Mall of Berlin“ steht. Die lange Geschichte des Kaufhauses aus Paris wird in einer Ausstellung gezeigt. Sie hat den Titel „20/20. – Von den goldenen Zwanziger bis zur goldenen Zwanzig“ und ist im „Trésor Blanc“ im Untergeschoss des Hauses zu sehen. Da geht es auch darum, dass die Franzosen nicht nur heimische Produkte präsentieren auf ihren 10 000 Quadratmetern, sondern auch andere wie Auerbach und Ralph Lauren.

"Galeries" nur in Versailles und bei Lafayette

Mit einiger Verzögerung also, 1996, wurde die Eröffnung in Berlins legendärer Straße mit Tusch gefeiert. Bei der vorabendlichen Gala waren bereits vor den offiziellen Reden 2000 Glas Champagner getrunken worden. Die Gläser stammten übrigens aus dem Palast der Republik, was damals noch als pikantes Detail galt. Eberhard Diepgen, der 1996 Regierender Bürgermeister war, dozierte, wie es sich bei solchen Anlässen gehörte, über die Hugenotten, und der französische Botschafter tat kund, dass es im Nachschlagewerk Larousse unter „galeries“ nur zwei Einträge gibt: den Spiegelsaal von Versailles und Lafayette.

Besucher bei der Eröffnung der Galeries Lafayette
Besucher bei der Eröffnung der Galeries LafayetteFoto: Reuters

Großen Applaus gab es für den Architekten Jean Nouvel. Die Gegend war weiträumig abgesperrt, und die Austern-Bar musste als Initiationsritual einen fast etwas peinlichen Ansturm der extrem ausgehungert wirkenden Gala-Gäste aushalten. Der damalige Chef gab mit sanfter Ironie der Hoffnung Ausdruck, „dass es immer so voll wird“.

Voll wird es wohl auch am Geburtstagswochenende. In der Bar à vin gibt es einen Empfang für Prominente wie Ursula Karven und Franziska Knuppe. Am Freitag ist das Haus bis 24 Uhr zur großen Shoppingparty geöffnet. Und am Sonntag feiert gleich die ganze Friedrichstraße mit einem verkaufsoffenen Sonntag mit. Es gibt jede Menge Jubiläumsangebote und „Limited Editions“ zum Geburtstag, zum Beispiel eine Sonnenbrille im Leo-Look von Dior, Wäsche von Maison Close, eine Cuvée „20 ans Galeries Lafayette“ von Bouvet-Ladubay und Geburtstagsschokolade von „Le Chocolat des Français“.

Wer eine lange Shopping-Liste hat, sollte besser nicht mit dem Auto kommen, denn die Chancen stehen gut, dass jeder größere Einkauf mit Crémant belohnt wird.

Ein neues Logo soll auf die Modernisierung der Marke hinweisen. Obwohl – für eine Verjüngungskur ist es mit Anfang 20 doch eigentlich noch zu früh.

Die Ausstellung läuft bis zum 29.3., jeweils Montag bis Samstag von 10 bis 20 Uhr. Eintritt frei. Am Sonntag ist das Haus geöffnet von 13 bis 18 Uhr.

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