Galopp-Rennbahn in Hoppegarten : Aufs Pferd gekommen

Am Sonntag findet zum 125. Mal der Grand-Prix in Hoppegarten statt. Dass das ein wichtiges gesellschaftliches Event ist, liegt vor allem an Tini Gräfin Rothkirch.

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Der Sieger des letzten Großen Preises von Berlin: Jockey Stephen Hellyn (l.).
Der Sieger des letzten Großen Preises von Berlin: Jockey Stephen Hellyn (l.).Foto: Tim Brakemeier/dpa

Auf die Rennbahn zu gehen, ist für Tini Gräfin Rothkirch ein Gefühl, als käme sie nach Hause. Wenn die Rennclub-Vorsitzende sonntags aufbricht nach Hoppegarten, dann wählt sie den langsameren Weg durch die Stadt, und die Vorfreude steigert sich immer weiter, bis sie schließlich am Geläuf entlang fährt. Heute wird es vermutlich ganz besonders doll kribbeln, wenn sie die Stadtgrenze im Osten Berlins passiert. Zum 125. Mal findet der große Preis von Berlin statt. Und Tini Gräfin Rothkirch kümmert sich als Chefin des Rennclubs um die Ehrengäste.

Zum einen ist es die schöne Natur da draußen, die Bäume, die Weite, die sie so anzieht. Aber es gibt noch einen anderen Grund. „Pferde“, sagt sie, „waren von Kindheit an meine große Leidenschaft.“ Auf dem elterlichen Gut in der Nähe des hessischen Dom-Städtchens Fritzlar voltigierte sie schon mit vier Jahren. Mit zehn war sie eine ehrgeizige Reiterin, stolze Besitzerin eines edlen Halbblutes. Die eigenen Pferde musste sie aufgeben, als es zum Studium nach Köln ging. „Ich mache Dinge immer 150 prozentig, und beides ging da zeitlich nicht mehr.“ Allerdings nahmen Freunde sie mit auf die Rennbahn in Köln, und da war es um sie geschehen. „Ich war sofort fasziniert von der ganzen Atmosphäre, den Vollblütern.“

Gräfin Tini Rothkirch kümmert sich auf der Rennbahn Hoppegarten um die Ehrengäste.
Gräfin Tini Rothkirch kümmert sich auf der Rennbahn Hoppegarten um die Ehrengäste.Foto: imago/Gerhard Leber

Inneneinrichtung mit Lagerfeld

Der Beruf führte sie jedoch erst einmal weg von den Pferden. 1978 ging sie gegen den Strom nach Berlin, wurde mit 24 Jahren im Interconti jüngste PR-Chefin der Szene. Wie so viele, die vor dem Fall der Mauer kamen, wollte sie „eigentlich nur zwei Jahre bleiben“. Aber aus dem Landkind wurde eine echte Stadtpflanze. 1991 wurde sie Gründungsdirektorin des Schlosshotels Vierjahreszeiten im Grunewald. Zusammen mit Karl Lagerfeld, der dafür seine privaten Lagerräume plünderte, gestaltete sie das traditionsreiche Haus völlig neu.

Im selben Jahr begann ihr Engagement für Hoppegarten. Eigentlich hatte sie nach besonderen Orten für Kunden gesucht, war rausgefahren, hatte eine Loge gemietet, um Hotelgäste dorthin einzuladen. Dabei konnte es nicht bleiben, bald wurde sie Vorstandsmitglied im Rennverein und war dank ihrer erstklassigen Netzwerke mit für das schwierige Thema Sponsoren zuständig. Sie liebte die Sonntage draußen auf der Rennbahn. Trotzdem musste sie vier Jahre lang aussetzen. Der Beruf als Hoteldirektorin, erst des Dorint, dann des Sofitel am Gendarmenmarkt für Diplomaten und Entscheider, kostete einfach zu viel Kraft.

Als Gerhard Schöningh die Rennbahn 2008 kaufte, hatte der nicht nur den Ehrgeiz, Hoppegarten auf die internationale Pferdesportkarte zu bringen, sondern auch, die Rennbahn zu einem sportlichen und gesellschaftlichen Treffpunkt für Berliner und Brandenburger auszubauen. Er wusste gleich, an wen er sich dafür wenden musste. Seit 2009 kümmert sich Tini Gräfin Rothkirch ehrenamtlich um den derzeit 90 Mitglieder starken Rennclub.

Den Caterer kennt sie vom Gendarmenmarkt

Sie betreut Ehrengäste wie Botschafter, Politiker oder Schauspieler, Prominente, die Preise überreichen. „Eigentlich renne ich immer nur rum“, sagt sie. Dabei ist sie comme il faut angezogen mit ganz feinen Jacketts und immer einem schönen Hut auf dem Kopf. Der sei zwar nicht Pflicht, beteuert sie. „Aber ich finde, das gehört zum Pferderennen einfach dazu.“ Es freut sie aufrichtig, dass auch immer mehr Männer mit Hut kommen: „Das sieht einfach schicker aus.“ Eine strenge Kleiderordnung gibt es ansonsten nicht, nur Jeans werden gar nicht gern gesehen.

Die Clubmitglieder haben eine eigene Tribüne. Den Caterer vom Restaurant Aigner kennt die Club-Vorsitzende noch aus ihrer Zeit am Gendarmenmarkt. Aufgrund ihrer umfassenden Erfahrung kann sie auch zusätzliche Veranstaltungen organisieren, kann große Empfänge mit vielen Prominenten ausrichten, wie den am Sonnabend, dem Vorabend des 125. Großen Preises auf der Dachterrasse des Hotel de Rome zur Feier des ersten zweitägigen Grand- Prix-Meetings. Die Hauptrolle spielt für sie aber immer Hoppegarten selbst, die Zeit da draußen.

„So ein Tag vergeht wie im Flug“, sagt sie. Acht Rennen gibt es, dazwischen geht man zum Führring und begutachtet die Pferde. Für Kinder gibt es immer eigenes Programm. Man kann die Pausen aber auch ganz locker mit einer Bratwurst überbrücken. Für Tini Gräfin Rothkirch ist das die perfekte Kombination aus Sport, Natur, Landleben und ein bisschen urbaner Eleganz.

Der Renntag in Hoppegarten beginnt am heutigen Sonntag um 14 Uhr, Einlass ist ab 12 Uhr. Karten ab 18 Euro.

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