Berlin : „Ganz Deutschland muss stolz sein“

Bundesminister Manfred Stolpe fordert schnellen Neubau des Stadtschlosses

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Am 22. November scheidet Bauminister Manfred Stolpe (SPD) aus dem Amt. Für den Bau des Berliner Stadtschlosses will er sich weiter engagieren.

Wie stehen Sie zu den Forderungen nach einem Moratorium zum Palast-Abriss?

Wer das fordert, will den Stillstand. Deshalb ist das der falsche Weg. Wir haben die städtebauliche Aufgabe, den Schandfleck in der Mitte Berlins zu beseitigen. Unsere Machbarkeitsstudie hat ergeben, dass man das ohne große Verrenkungen hinbekommen kann. Wenn man diese große Chance nicht nutzt, wird es zu einem längeren Stillstand kommen. Der Palast muss irgendwann abgerissen werden, weil es nicht möglich ist, ihn dauerhaft zu erhalten – technisch und ästhetisch.

Die Abriss-Kritiker bemängeln, Ihre Studie sei schöngerechnet.

Diese Kritiker nehmen durch die Verzögerung der Abrissarbeiten Mehrkosten bewusst in Kauf. Wer den Palast später beseitigen will, muss ehrlicherweise schon sagen, dass es am Ende teurer wird. Die Studie zum Wiederaufbau des Schlossareals ist gut gerechnet. Sie geht im Kern von 670 Millionen Euro Baukosten aus. Jetzt müssen wir überlegen, welchen Finanzierungsweg wir gehen. Das wird natürlich Folgekosten nach sich ziehen. Aber die 670 Millionen Euro sind eine vorsichtige Zahl, in die schon Risiken einkalkuliert sind.

Ohne öffentliches Geld wird es wohl nicht gehen. Wo soll das in Anbetracht der Haushaltslöcher von 35 oder gar 70 Milliarden Euro herkommen?

Es ist eine wichtige städtebauliche Sanierungsaufgabe, die auf einen Zeitraum von mehreren Jahren gestreckt wird. In diesem Zeitraum werden auch die Gelder zur Verfügung gestellt. Außerdem soll der Bau im Rahmen einer Kooperation zwischen öffentlichen und privaten Geldgebern entstehen. In Großbritannien hat man beispielsweise mit Projekten dieser finanziellen Größenordnung Erfahrungen gesammelt. Warum sollte das in Deutschland nicht möglich sein?

Der Wiederaufbau der Frauenkirche in Dresden hat gezeigt, dass so ein Projekt mit privaten Spenden gestemmt werden kann. Ist das ein Modell für Berlin?

Dresden ist mit großer Entschlossenheit der Bevölkerung und Engagement an die Aufgabe gegangen. In Berlin ist stattdessen abgesehen vom Bundestagsbeschluss nicht viel passiert.

Woran liegt das?

Der Unterschied zu Dresden ist, dass die Palast-Diskussion ideologisch geführt wird. Der Abriss des Palasts der Republik ist vielfach verstanden worden als ein Akt von Bilderstürmerei, als ein ideologischer Schritt. Hier aber geht es nicht nur um den Abriss des Palasts, sondern um eine klare Perspektive für die Neugestaltung eines Platzes im Herzen des historischen Berlins.

Wer wird sich darum sorgen, dass nach einem Abriss das Projekt weitergeht?

Wir müssen den Schwung, den wir jetzt haben, nun entschlossen nutzen. Man muss die Bevölkerung Berlins und in ganz Deutschland für das Projekt gewinnen. Und deshalb müssen wir jede Art von öffentlicher Darstellung nutzen, zu Diskussionen und Gesprächen einladen, um das Projekt auf eine möglichst breite Basis zu stellen. Wir wollen, dass ganz Deutschland stolz darauf ist, was hier entsteht. Anders wird das nicht gehen. Das kann aber kein Prozess sein, den Bund oder Land anschieben.

Hört sich an, als ob Sie eine Stiftung gründen, die diesen Prozess in Gang bringt.

So etwas wäre ein interessanter Weg. Es geht um eine breite Diskussion, in die sich nicht nur Architekten und Ingenieure, sondern die gesamte Öffentlichkeit einmischen soll.

Sie gründen diese Stiftung?

Das wird noch zu prüfen sein.

Wichtigster Mieter wäre ein Luxushotel, aber die wirtschaftlich verwertbaren Flächen für das Hotel liegen im Souterrain und im Keller. Das wird doch kein Hotel-Mieter mitmachen.

Das stimmt nicht. Die Autoren der Studie haben vorher sondiert. Eine der denkbaren Lösungen ist, dass der gesamte Teil an der Spree für ein Hotel mit Kongressnutzung infrage käme und daran gibt es ein sehr starkes Interesse. Mit dem Humboldt-Forum, also der Integration von Museum und Bibliothek, würde sich eine interessante Synergie ergeben. Hier wird ein Forum von europäischem Rang entstehen, von Dialog und Versöhnung. London und Paris werden beeindruckt sein, von dem, was in der deutschen Hauptstadt entsteht.

Das Gespräch führten Matthias Oloew und Antje Sirleschtov

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