Berlin : Ganz großer Bahnhof

Der Bau der U-Bahn unter dem Pariser Platz kommt voran. Doch vor Ende 2008 wird wohl kein Zug halten

Klaus Kurpjuweit

Am Brandenburger Tor beginnt eine kleine Eiszeit: Um den U-Bahnhof für die U 55 weiterbauen zu können, erzeugen die Bauleute jetzt eine Eisschicht im Untergrund. So soll verhindert werden, dass beim Aushub der Erde Grundwasser eindringt. Auch der Boden wird durch die Vereisung der Erde stabilisiert. Der Bau wird rund 36 Millionen Euro kosten. Ob sich der technische und finanzielle Aufwand lohnt, ist ungewiss. Denn noch steht nicht fest, wann eine U-Bahn halten wird – vor Ende 2008 wohl auf keinen Fall.

Die Arbeiten am Bahnhof Brandenburger Tor haben sich bereits jetzt um ein Jahr verzögert. Provisorisch sollten die ersten Züge bereits zur Fußball-Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr auf dem knapp 1,5 Kilometer langen Abschnitt vom Brandenburger Tor mit der Zwischenstation Bundestag zum Hauptbahnhof fahren – isoliert vom übrigen Netz. Zwei Mal mussten die Arbeiten aber unterbrochen werden, weil Wasser in die Baugrube schoss. Erst jetzt kann der Bau der Bahnsteighalle beginnen, die etwa 15 Meter unter dem Straßenniveau liegt – parallel zum S-Bahnhof Unter den Linden. Beide Stationen werden durch einen Fußgängertunnel verbunden.

Um die Erde vereisen zu können, haben die Bauleute insgesamt 30 sogenannte Mikrotunnel mit einem Durchmesser von jeweils 1,50 Meter und einer Länge von 95 Metern gebohrt. Sie liegen kreisförmig um die geplante Bahnsteighalle herum. Durch die Mikrotunnel werden nun vier kleinere Rohre gelegt, durch die später eine Kühlflüssigkeit mit minus 70 Grad geleitet wird. Vorher werden die Mikrotunnel noch mit einem kälteleitenden Material verfüllt. So soll sich um die Tunnel herum ein geschlossener Eiskörper mit einer Dicke von zweieinhalb Metern bilden. Hinter der Schutzschicht kann der Boden für die Bahnsteighalle abgetragen werden. Der Rohbau soll Mitte 2008 fertig sein.

Dem Bund gegenüber, der bereits rund 130 Millionen Euro in den Bau gesteckt hatte, verpflichtete sich der Senat Anfang 2004, spätestens 2010 mit dem Weiterbau der Strecke bis zum Alexanderplatz zu beginnen. Berlin hatte den mit dem Bund vereinbarten Weiterbau einseitig 2001 eingestellt. Jetzt will der Senat einen weiteren Aufschub erreichen. Für den Bau des Bahnhofs Brandenburger Tor hat der Bund weitere 24 Millionen Euro locker gemacht, vier Millionen Euro musste der Senat aufbringen. Weitere acht Millionen Euro für Umplanungen muss die BVG vorschießen – möglicherweise für eine weitere Bauruine im Untergrund.

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