Berlin : Ganz großes Theater

Im Park am Haus der Festspiele sollen seit Jahren Neubauten entstehen – die Bürger sind wütend, der Investor weicht aus.

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Freier Volkszorn. Das Haus wurde 1963 als Freie Volksbühne an der Schaperstraße eröffnet, seit 2001 heißt es Haus der Berliner Festspiele. Erstmals fand dort vor einem Monat die Berlinale statt – gefeiert wurde das Regiedebüt von Hollywoodstar Angelina Jolie. Das Haus entstand auf dem ehemalige Gelände des Joachimthalschen Gymnasiums, das heute von der UdK genutzt wird. Das Gymnasium zog 1912 aus, ein Teil des Schulhofes wurde zur umstrittenen Parkanlage. Für diese gibt es immer wieder neue Pläne. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Freier Volkszorn. Das Haus wurde 1963 als Freie Volksbühne an der Schaperstraße eröffnet, seit 2001 heißt es Haus der Berliner...

Seit zehn Jahren engagiert sich die Bürgerinitiative „Quartier Fasanenplatz“ gegen die geplante Bebauung der Gerhart- Hauptmann-Anlage. Der kleine Stadtpark befindet sich in Wilmersdorf, gleich hinter dem Haus der Berliner Festspiele zwischen Schaperstraße, Bundesallee und Meierottostraße. Wechselnde private Investoren planten nacheinander ein Bürohochhaus, eine Blockrandbebauung, vier Stadtvillen und zuletzt zwei einigermaßen überdimensionierte Wohnblocks.

Am Dienstagabend nun lud Judith Stückler, die Vorsteherin der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) von Charlottenburg-Wilmersdorf, alle Beteiligten – Bürger, Anlieger, Investoren und Bezirkspolitiker – in das Foyer des Hauses der Berliner Festspiele. Was als Krisengespräch anberaumt war, wurde zu einer Bestätigung des Bürgerwillens.

Der derzeitige Investor, der Baukonzern Hochtief, ließ seine zuständigen Projektmanager gar nicht erst zum Gespräch antreten. Man befinde sich am Anfang einer Neuplanung, hieß es ausweichend im Entschuldigungsbrief des Konzerns, der während der Versammlung verlesen wurde.

Im Sommer vergangenen Jahres hatte die alte BVV eine Änderung des Bebauungsplans und damit die vom damaligen Investor vorgelegten Neubaupläne abgelehnt. Nun habe Hochtief ihn um Diskretion über den erneuten Planungsanlauf gebeten, erklärte der Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Marc Schulte (SPD). Deutlich wurde Schulte allerdings über die Chancen, die er dem bislang nur Eingeweihten detailliert bekannten neuesten Projekt einräumt: „Ich finde diese Ideen alles andere als stadtbildverträglich und akzeptabel. Ich werde mich nicht dafür einsetzen, dass sie verwirklicht werden.“ Schultes Kernaussage: Er könne sich generell keine neue Wohnbebauung hinter dem denkmalgeschützten Haus der Berliner Festspiele vorstellen – ein Versprechen, dem sich auch die Vertreter von der SPD, der CDU, den Grünen und den Piraten in der Bezirksverordnetenversammlung eindeutig anschlossen. Lediglich für die hinter dem Festspielhaus stehende Parkpalette besteht derzeit noch Baurecht, wie Volker Heise von den Grünen betont. Hier könnte der Eigentümer einen maximal zweigeschossigen Neubau mit kultureller Nutzung errichten - was unter ökonomischen Vorzeichen wenig attraktiv sein dürfte.

Podium und Gäste der Bürgerversammlung zeigten sich zuversichtlich, dass Hochtief von der Rücktrittsklausel im Kaufvertrag Gebrauch machen wird. Das Grundstück hinter dem Haus der Festspiele fiele damit an eine Hamburger Grundstücksgesellschaft zurück.

Hätten die Fraktionen früherer Legislaturperioden den Bürgerwillen der Anwohner ernster genommen, würde sich die Gerhart-Hauptmann-Anlage im Gerhart-Hauptmann-Jahr 2012 als gepflegter Anwohnerpark präsentieren, lautete die Kritik. Knapp 600 000 Euro waren für eine gestalterische Aufwertung im Bezirkshaushalt eingestellt – Geld, das unter dem aktuellen Spardruck nicht mehr zur Verfügung steht.

Charlotte Sieben – als Geschäftsführerin der Kulturveranstaltungen des Bundes in der Berlin GmbH für den Festspielbetrieb zuständig – hatte einst mit Hochtief die gemeinsame Beauftragung eines unabhängigen Schallschutzgutachters verabredet. „Weil Hochtief uns den Eindruck vermittelt hat, dass deren Pläne auf das Einverständnis des Bezirkes stoßen“, sagte sie. „Das Geld für die Planung können wir uns nun sparen.“ Stattdessen werde man den Bezirk und die Anwohner bei der Verlegung eines Bolzplatzes und der Neuanpflanzung von Bäumen unterstützen. Festspiele-Intendant Thomas Oberender persönlich will den ersten neuen Baum bezahlen.

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