Ganz nach Gefühl : Blindenhilfswerk eröffnet Küche

Von der sprechenden Waage bis zum Füllstandsanzeiger: Kochen ist für blinde und sehbehinderte Menschen nicht leicht. In der neuen Küche des Blindenhilfswerk gibt es deshalb erstaunliche technische Helfer.

Karoline Kuhla
Na dann: Guten Appetit! K. Müller, H. Zurbrüggen, S. Hartmann und T. Schmidt (v.l.n.r.) in der neuen Küche. Foto: G. Moritz
Na dann: Guten Appetit! K. Müller, H. Zurbrüggen, S. Hartmann und T. Schmidt (v.l.n.r.) in der neuen Küche. Foto: G. MoritzFoto: Georg Moritz

Berlin - Sorgfältig fahren seine Finger die Paprika ab, ertasten die Schnittkante: Mit dem Messer in der rechten Hand schneidet Klaus Müller die Frucht. Seine linke Hand ersetzt die Augen. „Wir kochen blind“ steht auf seiner Schürze.

Es ist das Motto des Nachmittags im Blindenhilfswerk in Steglitz. Die neue Küche, komplett barrierefrei für Blinde und Sehbehinderte, wird eingeweiht. Die Profiköche Stefan Hartmann und Holger Zurbrüggen sind an die Herde getreten: Pilzrisotto mit Kabeljau und Thai-Beef-Salat stehen auf der Karte. Unterstützt werden sie von Müller, der nur 5 bis 10 Prozent sehen kann, und Thomas Schmidt, dem nur eine gegen Null gehende Sehkraft auf dem rechten Auge bleibt.

Müller kocht gern, „am liebsten Italienisch mit Meeresfrüchten“. Russische Blintschikis, Eierkuchen mit Hackfleischfüllung, sind Schmidts Leidenschaft. In der neuen 32 Quadratmeter großen Küche sind die beiden nun von einer blindengerechten Ausstattung umgeben. Schmidt hat die Geräte mit ausgesucht und präsentiert sie stolz: Mit einem höflich-elektronischen „Guten Tag!“ grüßt die sprechende Küchenwaage, bevor sie die Grammzahl ansagt. In der Heißluftfritteuse können Pommes fettfrei und damit auch frei von gefährlichem, weil heiß-spritzendem Öl zubereitet werden. Die Induktionsplatten der Herde verhindern verbrannte Finger; mit Drehknöpfen, die bei 0 eine fühlbare Narbe haben.

Seit 1886 engagiert sich das Hilfswerk in Steglitz für blinde und sehbehinderte Menschen. Die 50 000 Euro für die Küche wurden hauptsächlich vom Senat aus Stiftungsgeldern finanziert. Für die Küchengeräte war die Sparkasse aufgekommen. Karoline Kuhla

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