Berlin : Ganz neue Moden

Mitte ist ein Laufsteg: Tipps für einen Bummel durch die Fashionszene

Grit Thönnissen

Kleine Modeentdeckungsreise gefällig? Dafür ist es gar nicht unbedingt notwendig, auf die noch bis Dienstag stattfindenden Modemessen „Premium“, „B-in-Berlin“ oder „5th Floor“ zu gehen. Ein kleiner Bummel in Mitte kann auch sehr inspirierend sein – schließlich eröffnen nirgendwo sonst in Deutschland im Moment in solcher Geschwindigkeit neue Läden wie hier zwischen Rosa-Luxemburg-, Münz- und Mulackstraße. Auch professionelle Einkäufer scheinen das zu schätzen: Die Geschäfte sind dieser Tage voll mit modischen Italienern, Holländern, Japanern und Franzosen. Noch sind die Mieten mit durchschnittlich 40 Euro pro Quadratmeter erschwinglich – aber langsam wird es exklusiver und internationaler um den Hackeschen Markt: Allein an diesem Wochenende feierten drei neue Geschäfte Premiere.

Schon vor einem Monat eröffnete das schwedische Jeanslabel Acne in der Münzstraße 23 seinen ersten Shop außerhalb Skandinaviens. Jetzt folgt die Modemarke Filippa K mit einem eigenen Geschäft auf der Alten Schönhauser Straße 11. Geleitet wird es von Jutta Kolinko und Carsten Kunst, die auf der anderen Straßenseite im „Vorort“ Mode verkaufen, die sie zum großen Teil auf den Berliner Modemessen geordert haben. Die beiden waren so begeistert von der cleanen, zurückhaltenden Mode der Schweden, dass sie jetzt den ersten Filippa-K-Laden in Deutschland führen.

Gleich um die Ecke, in der Mulackstraße 4, liegt das Geschäft des Berliner Designerduos Starstyling. Weniger um die Kleidung als um das, was drauf ist, geht es bei Katja Schlegel und Kai Seifried. Mit ihren oft ironisch gemeinten Drucken und Stickereien auf T-Shirts und Sweat-Shirts perfektionieren sie das, was oft für den Berliner Stil gehalten wird: bunt bedruckte Oberteile. Die Pullover mit Vögeln, Glücksmotiven, Pilzen und Federn verkaufen sich besonders gut nach Japan. „Die haben da halt viel Humor“, sagt Katja Schlegel.

Ein paar Häuser weiter, in der Mulackstraße 7, hat die Berliner Designerin Leyla Piedayesh mit ihrem Label „LalaBerlin“ gerade Eröffnung gefeiert. T-Shirts mit ihrem Markenzeichen, einem glamourös verzierten Totenkopf, hängen neben fein gestrickten Pullovern, Capes, Kleidern, Schals und Mützen.

Nur noch bis morgen verkauft das Berliner Designerlabel Kaviar Gauche seine eleganten Seidenkleider in gedeckten Farben aus der aktuellen Frühjahr/Sommerkollektion und natürlich die berühmten Lamellentaschen, die es inzwischen bis in die großen Edelkaufhäuser nach Paris, London und New York geschafft haben, in der Gipsstraße 11 von 12 bis 18 Uhr.

Auch Nike hat sich etwas Besonderes für die Modetage einfallen lassen. In der Gipsstraße 7 kann man sich nicht nur eine Ausstellung über die Geschichte des wohl bekanntesten Nike-Turnschuhs Air Max anschauen, im hinteren Raum können Sneakerfans auch ihren eigenen Schuhe am Computer zusammenbasteln. Nach circa zwei Wochen wird der Schuh dann zugeschickt. Fürs Schuhbasteln muss man im Laden einen Termin machen. Die Ausstellung ist noch bis zum 14. Februar zu sehen.

Seit Dezember hat Andrea Hartwig ihren Laden mit angeschlossenem Atelier in der Alten Schönhauser Straße 39/40. Hier entwirft sie ihre feminine und verspielte Mode, hauptsächlich aus Seide und Baumwolle, unter dem Markennamen „Talking Means Trouble“. Das kann man ruhig wörtlich nehmen: Die 26-Jährige findet, dass ihre Kleider auch ohne große Worte getragen werden können: „Jeder kann sich seine eigenen Geschichten zu meinen Sachen ausdenken.“ So hat sie Muster aus Figuren, Sätzen und Zeichen auf Röcke und Tops gedruckt, die wie Suchbilder funktionieren.

Die Kleider der Designeravantgarde hat Ulf Haines in seinem neuen Geschäft in der Rosa-Luxemburg-Straße 9 versammelt. Darunter einige Designer aus Antwerpen wie Ann Demeulemeester, Dirk Schönberger, Veronique Branquinho und Stephan Schneider.

Die deutsche Turnschuhmarke Möbus, die vor 20 Jahren eingestellt und vor drei Jahren reanimiert wurde, hat noch bis zu morgen einen „Pop-Up-Store“ in der Weinmeisterstraße 8. Dort gibt es nicht nur Neuauflagen alter Lauf- und Fußballschuhe, sondern auch eine Tip-Kick-Torwand. Der angeschlossene Showroom ist Einkäufern vorbehalten, dort werden die Modelle für die Saison Herbst/Winter 2006/07 ausgestellt.

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