Berlin : Ganz Rüsselsheim ist in guter Hoffnung

Die Elefanten im Tierpark sind äußerst gebärfreudig – jetzt ist schon wieder Nachwuchs unterwegs. Worin liegt das Geheimnis des Zuchterfolgs?

Heidemarie Mazuhn

Die Elefanten unterscheiden sich an diesem regnerischen Märzentag nicht von ihrer Umgebung – Grau in Grau stapfen sie über ihr Gelände im Tierpark Friedrichsfelde. In Europas größtem Landschaftstiergarten lässt „des Frühlings holder belebender Blick“ noch nicht viel erahnen – nur weiße Märzenbecher und vereinzelte zartgrüne Sprossen sind hier und da zu entdecken. Dafür allerhand tierisches Jungvolk rechts und links der Weges – schwarzweiße Zwergziegen, die sich putzig in Reih und Glied präsentieren, ein staksiges Dromedar und ein schon ziemlich gewichtiges Nashorn.

Wer in diesen Tagen den 160 Hektar großen Tierpark besucht, hat meist nur ein Ziel – das Elefantenhaus. Kurz vor der Wende – am 29. August 1989 – eröffnete der damalige Tierparkchef Heinrich Dathe das 6000 Quadratmeter große Gebäude, zu dem eine 11 000 Quadratmeter große Freianlage gehört. Zur Gründung des Tierparks 1955 mussten sich die beiden ersten Friedrichsfelder Dickhäuter „Bambi“ und „Dambo“ noch provisorisch mit einem Kuhstall und gerade mal 700 Quadratmetern begnügen. Heute ist dort Platz für 22 Elefanten – 18 gibt es momentan: neun Afrikaner und neun Inder. Und beide Arten vermehren sich fast rekordartig: Angefangen hat es am 15. Januar 1999 mit der ersten Lebendgeburt eines Elefanten im Tierpark überhaupt und in Berlin seit 1938. „Matibi“ wurde das erste Elefantenbaby genannt.

Der jüngste und inzwischen schon fünfte Nachwuchs aus dem Elefantenhaus füllt sich gerade tapsig an seiner Mutter „Nova“ den Magen – am 14. Februar hat die asiatische Elefantenkuh ihren „Horas“ zur Welt gebracht. Vater ist der Bulle „Ankhor“. Den Schwerenöter mit den beeindruckenden Stoßzähnen teilt sich „Nova“ mit ihrer Artgenossin „Cynthia“ – 1993 kamen beide aus dem Zoo Halle nach Friedrichsfelde, zuvor lebten sie in einem Zoo auf Java. In Berlin verstanden sich „Nova“ und „Cynthia“ auf Anhieb mit dem Berliner „Ankhor“ – jetzt mit doppelten Folgen.

„Cynthia“ gehört neben „Kewa“ und „Pori“ zu den drei Elefantenkühen, auf deren Nachwuchs man im Tierpark in den nächsten Wochen wartet. „Cynthia“ konnte dazu schon Erfahrungen sammeln – sie war Augenzeugin bei „Horas’“ Geburt und passt jetzt sozusagen als gute Tante auf „Novas“ Baby auf. Nur die Hautpflege bleibt dem Pfleger überlassen – wird doch „Horas“ wie im richtigen Baby-Leben „eingecremt“ – mit Lehm.

Wenn alles gut geht, hat der Tierpark in Bälde seit 1999 acht Mal Elefantennachwuchs – vier Mal afrikanisch und vier Mal asiatisch. Ein Zuchtgeheimnis gibt es aber nicht, sagt Direktor Bernhard Blaszkiewitz. Weder im Futter liegt’s, noch an der Ost-Berliner Luft. Vielmehr trägt jetzt die Arbeit des Tierparkgründers Dathe ihre Früchte. Der baute zwei Elefantengruppen auf, die nun im besten Gebäralter sind. Und da die Bullen tagsüber mit den Kühen zusammenleben, entscheiden sie über ihre Gunstbeweise selbst. Mit besagtem Erfolg. Elefantenkühe wie „Nova“ mit ihren zehn oder elf Jahren sind als Muttertiere am erfolgreichsten.

Da darf man auf „Pang Pha“ – 1987 das gewichtige thailändische Regierungsgeschenk 1987 für Berlin – gespannt sein. Die Elefantenkuh wird heute im Zoo volljährig. Wenn alles klappt, vergrößert die 18-Jährige ihre sechsköpfige Herde um einen kleinen Elefanten.

Derweil wird im Tierpark der dreifach erwartete Nachwuchs mit Argusaugen gehütet. Täglich werden bei „Cynthia“, „Kewa“ und „Pori“ die Hormonwerte überprüft – fallen sie, ist die Geburt nahe und Nachtwachen sind angesagt.Vvideoüberwacht werden die Elefantenkühe sowieso. Zu Ostern hofft man aber lieber auf Sonne, als auf Geburtsaufregungen im Elefantenhaus. Soll doch am 27. März um 11 Uhr das traditionelle Osterkonzert das 50. Jubiläum des Tierparks einläuten.

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