Berlin : Ganz schön arm dran

Mein Bruder,der Literat:Gloria von Thurn undTaxis las aus dem Buch Alexander von Schönburgs

Elisabeth Binder

Eine elegante Altbau-Maisonette in Charlottenburg. Der Hausherr, Leo-Ferdinand Graf Henckel-Donnersmarck, begrüßt die Gäste mit einem Zitat des Stoikers Epiktet: „Erwirke dir Güter, die mit an Land schwimmen, wenn du Schiffbruch erleidest.“ Am Vorabend der Taufe seines dritten Kindes Valentin hat Alexander Graf Schönburg im Hause seines Onkels Freunde und Verwandte zu einer Lesung um sich gesammelt. Das Thema trifft einen Nerv in Zeiten von Hartz IV etc.: „Die Kunst des stilvollen Verarmens“ heißt sein neuestes Werk, das höchst amüsant die Wonnen der Bescheidenheit preist und sich bereits kurz nach Erscheinen 50 000 Mal verkaufte.

„Damals, als die Wirtschaft noch boomte, saß ich in einem schönen Büro, hatte Visitenkarten in der Tasche...“ So beginnt das Ouevre des einstigen Popliteraten, der vor drei Jahren plötzlich seinen gut bezahlten Job verlor und nun vom wahren Luxus einer Verzichtskultur schwärmt. Mit dabei sind auch seine Schwestern Maya, geschiedene Flick, und Gloria Fürstin von Thurn und Taxis, die immerhin mal reich geheiratet haben. Letztere trägt orangefarbenen Pulli zum beigen Rock und nimmt nun vorne Platz, wo sie mit sichtlicher Lust am Drama beginnt, aus dem Buch des Bruders („Ich bin sehr, sehr stolz auf ihn“) vorzulesen. Die Liste der wertlosen Gegenstände, für die gut verdienende Leute ihr Geld ausgeben, spuckt sie mit gespieltem Abscheu in die Runde der reichlich anwesenden Grafen und Prinzessinnen: Reisezwiebelschneider, Chipstüten-Thermoversiegler, Fonduegeschirr… Hinten im Raum lachen die Schwiegermama des Autors, eine Prinzessin von Hessen, und der Propst, der Valentin taufen wird. Über seiner Soutane trägt er eine schwarze Strickjacke. Anschließend liest der Schauspieler Paul Matic, es geht um eine Reise, die das Adelspaar aus einer Kreuzberger Etagenwohnung zum superreichen Sultan von Brunei führte.

Alexander von Schönburg beschreibt sich als „verschämten Grenzgänger zwischen Armut und unverschämtem Reichtum“ und erzählt, wie er einen Tag neben Maharadschas und Industriefürsten saß und sich am nächsten für die drei Kinder mit Einzel-Aufträgen durchschlagen musste. Einen prächtig ausgeprägten Snob-Appeal hat er sich bei all dem bewahrt. Dem vor allem ist es zu verdanken, dass all das lange für altmodisch gehaltene Gedankengut des Buches superhip und witzig rüberkommt.

Nach der Lesung begibt sich die Gesellschaft in die Küche, wo es Quiche und Gurkensalat gibt. Ach ja, zum stilvollen Verarmen gehört unbedingt, dass man die noch Ärmeren nicht aus den Augen verliert. So geht ein Teil der Einnahmen, die an diesem Abend aus dem Verkauf des Buches erzielt werden, an ein Hilfsprojekt im Sudan.

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