Berlin : Ganz schön rüstig

Zum 80. Geburtstag gratulierten Stars dem Renaissance-Theater

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„Goodbye Jonny“ sang Mario Adorf so hinreißend im RenaissanceTheater, dass einer Zuhörerin im Parkett vor Begeisterung die Tränen kamen. Der Film- und Fernsehstar, der als „Der Mann des Zufalls“ in dem gleichnamigen Stück noch bis zum 15. Dezember in der Knesebeck- / Ecke Hardenbergstraße auf der Bühne steht, gehörte gestern Mittag zu den Künstlern, die dort zum 80. Jubiläum der Bühne „Das Renaissance-Theater“ als Buch präsentierten. In dem Band hat die langjährige Dramaturgin Steffi Recknagel all das über ihr geliebtes Haus zusammengetragen, was gestern im Feuilleton dieser Zeitung „Berliner Theatergeschichte in der Nussschale“ genannt wurde.

Die Feierstunde wird sicher einmal dazu gehören. Von Mario Adorf war zunächst nur der schwarze Borsalino zu sehen – in der ersten Parkettreihe besetzte der breitkrempige Hut den Platz für seinen Besitzer. Der hatte zuvor durch eine weise Order dafür gesorgt, dass fotografierende Reporter die Feier nicht behinderten. Das überwiegend bildungsbürgerliche Publikum konnte also in Ruhe genießen – Adorf hatte gedroht, die Bühne zu verlassen, sobald er das leiseste Klicken eines Fotoapparats vernehme.

Auf der machten neben ihm auch Udo Samel, Gerd Wameling, Sona MacDonald und Boris Aljinovic mit Auszügen aus dem Buch, aber auch mit Liedern wie Brechts wunderbarem Liebesgedicht „Erinnerungen an Marie A.“ Appetit auf das „kleine Meisterwerk“. So nannte Intendant Horst Filohn das Buch über sein Theater, es sei eine „lustvolle kulinarische Arbeit“. Fürwahr. Wer weiß schon, dass im Renaissance-Theater Helene Weigel der Durchbruch gelang, Walter Ulbricht Heinz Rühmann zum Intendanten machen wollte und dass der „blonde Hans“ dort sogar wohnte. Ihn ließ Mario Adorf mit „Oh Susanna“ auferstehen – besser sang es Hans Albers sicher niemals. hema

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