Berlin : Garantiert knallbunt

Tolle Stoffe aus armen Ländern – daraus macht man „Weltgewänder“. Die Nachwuchs-Modenschau der Welthungerhilfe zeigt originalen Ethnolook

Ariane Bemmer

Im Osten Perus gibt es Indianer, die Shipibos, die alles, was sie herstellen – Töpfe, Krüge, Stoffe – mit bunten geometrischen Mustern verzieren. Im Nordwesten Indiens, in Radschasthan, nahe der Wüste Thar, gibt es Menschen, denen zum Leben vor allem eines fehlt: Wasser.

Und was das mit Berlin zu tun hat? In Berlin wird am Sonnabend gezeigt, was 100 junge Modemacher aus den Stoffen der Shipibos, aus malischen und indischen Stoffen geschneidert haben. Das klingt nach Ethnolook – und das ist es auch. Exotisches und Einheimisches wurde gemixt, das passt gut in die modische Masche dieser Tage. Und wenn der Ethnoponcho gar aus echter Wolle ist, dann will man den sofort haben – so grau und kalt wie es hier jetzt wird. „Weltgewänder“ heißt die garantiert knallbunte Modenschau, organisiert wurde sie von der Welthungerhilfe – und wer sich die Kreationen deutscher Nachwuchsdesigner aus von weit herbeitransportierten Stoffen anguckt, unterstützt mit seinem Eintrittsgeld ein Wassergewinnungsprojekt im fernen Radschasthan.

Mode und Hunger – das ist ein Spagat. Aber machbar, wie Regina Köthe von der Welthungerhilfe findet. „Kleidung ist mehr als nur Schutz“, sagt sie. „Kleidung ist Identität und Inspiration.“ Man wolle mit der Mode Interesse für Länder wecken, die oft nur im Zusammenhang mit Hunger und Armut wahrgenommen werden, aber doch „Traditionen haben, die viel älter sind als die europäischen“. Das sei besonders die Tradition der Stoffherstellung: Seide und Baumwolle aus Indien, Wolle aus Peru, Bedrucktes und Gewachstes aus Mali. In allen drei Ländern ist die Welthungerhilfe aktiv, ihre Vertreter dort haben Fabriken gesucht, die „ethische und soziale Standards“ einhalten: keine Kinderarbeit, keine Ausbeutung. Besonders froh sind sie bei der Welthungerhilfe darüber, dass unter den elf Modeschulen, deren Studenten bei der Schau mitmachen, auch eine indische ist. Das National Institute of Fashion Technology aus Neu-Delhi. Die Kleider der indischen Studenten sind schon hier, sie wurden stückweise von Indienreisenden mitgebracht. Alles andere wäre zu teuer geworden. Einige Vertreter der Inder werden auch zur Modenschau kommen. Eine internationale Jury will den besten Entwurf prämieren, das prominenteste Jurymitglied, der britische Stardesigner Ozwald Boateng, hat allerdings kurzfristig abgesagt. Ohnehin sind Sieg und Prämie eher symbolischer Art. Auch von einer „Weltgewänder“-Kollektion im Kaufhaus wird – noch – höchstens geträumt. Dabei ließe sich Buntes im tristen Winter bestimmt gut verkaufen.

„Weltgewänder“, 19. November, 20 Uhr, Konzertsaal der UdK, Hardenberg-/Ecke Fasanenstraße, Tickets: 10 bis 25 Euro. Reservierung: 0180-517 05 17.

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