Berlin : Gasag erhöht die Preise – und segelt mit Großkunden

Gasversorger will die Tarife für Privathaushalte um bis zu 15 Prozent anheben. Politik kritisiert Gratisreisen für Geschäftspartner nach Mallorca

Lars von Törne

Die mehr als 600 000 Berliner Haushalte, die von der Gasag mit Erdgas beliefert werden, müssen demnächst wieder draufzahlen. Ihnen steht eine Preiserhöhung zwischen acht und 15 Prozent bevor, sagt Unternehmenssprecher Klaus Haschker. Details will der Monopolist kommende Woche bekannt geben. Daneben gibt es aber auch wichtige Gasag-Kunden, denen der Konzern etwas bezahlt. Zum Beispiel eine Gruppe von etwa 20 privaten Großkunden, denen der Konzern kürzlich ein Segelwochenende bei Mallorca spendierte, Flug und Verpflegung inklusive.

Für die Gasag ist das Teil der regulären Kontaktpflege zu Geschäftspartnern, wie Sprecher Haschker sagt. Für die Grünen und die Parteien der rot-roten Koalition ist das ein Beispiel für „mangelndes Augenmaß“, wie der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD, Günther Krug, sagt: „Einerseits gibt die Gasag ihren Profit nicht an die Verbraucher weiter, andererseits hat sie für solche Werbeaktionen Geld – wofür im Endeffekt aber wieder die Verbraucher zahlen.“ Grünen-Politiker Oliver Schruoffeneger beklagt das „Missverhältnis“ im Umgang mit Privat- und Geschäftskunden des Konzerns: „Das ist vom Stil her bedenklich“, vor allem weil die Gasag in Berlin bislang kaum Konkurrenz habe und ihre Kunden daher eigentlich nicht durch besonders spendable Werbegeschenke binden müsse. Der wirtschaftspolitische Sprecher der Linkspartei/PDS, Benjamin Hoff, sieht sich in seiner Fundamentalkritik an der 1998 erfolgten Privatisierung des einstigen Landesunternehmens Gasag bestätigt: „Natürlich ist es ein Widerspruch, dass man Geld für Reisen von Großkunden übrig hat, aber gleichzeitig die Tarife erhöht – aber so verhält sich ein privates Unternehmen eben.“

Die Gasag weist die Kritik aus der Politik zurück. „Schwachsinn“ und „absolut populistisch“ sei das, sagt Unternehmenssprecher Haschker. Veranstaltungen wie die Segelreise kosteten lediglich zwischen 10 000 und 20 000 Euro, was im Verhältnis zum Konzernumsatz „im Promillebereich“ liege; die Gaspreise hingegen stiegen aufgrund höherer Beschaffungskosten, „und nicht weil uns das Spaß macht“. Außerdem führe die Gasag eine Vielzahl von Veranstaltungen durch, sponsere wohltätige und kulturelle Aktivitäten oder lade wichtige Großkunden in die „Bar jeder Vernunft“ oder zur „Hanse Sail“ nach Rostock. „Dazu gehört auch mal ein Segelwochenende in Mallorca“, sagt Haschker, „und das werden wir auch weiter so machen.“

Der Konzernsprecher hält den Kritikern vor, die neue Situation seit der Öffnung des Gas-Marktes nicht zu berücksichtigen. Zwar habe man bei den Privatkunden in Berlin faktisch wirklich noch ein Monopol. „Aber auf dem Markt der Großkunden ist der Kampf entbrannt“, was man unter anderem daran sehe, dass die Gasag kürzlich den Schering-Konzern an den Konkurrenten BP verloren habe. „Mit der Öffnung des Marktes müssen wir mehr um Kunden werben.“

Der FDP-Wirtschaftspolitiker Klaus- Peter von Lüdeke beurteilt die Gasag-Segelreise angesichts steigender Preise als „merkwürdiges Gebaren“, nimmt aber den Konzern bezüglich der Preissteigerungen in Schutz. Der Gaspreis sei aus politischen Gründen seit Jahrzehnten an den Ölpreis gekoppelt, das Unternehmen habe kaum Einfluss. Die FDP spricht sich dafür aus, nicht die Gasag wegen der Preiserhöhung zu kritisieren, sondern sich nach der Bundestagswahl mit einer Bundesratsinitiative dafür einzusetzen, die Gaspreise freizugeben und den Wettbewerb um günstigere Preise zu fördern.

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