Berlin : Gasalarm an der Uni

Im Gebäude der FU-Chemiker trat Chlorwasserstoff aus

Tanja Buntrock

Nach drei Stunden war die Luft garantiert wieder rein, und die Mitarbeiter und Studenten konnten endlich das Institut für Chemie der Freien Universität betreten, um ihre zurückgelassenen Sachen zu holen. Kurz nach 16 Uhr hatten sie den Gebäudekomplex in der Dahlemer Takustraße fluchtartig verlassen. Aus einer Gasflasche war Chlorwasserstoff entwichen, der sich mit Wasser zu stark ätzender Salzsäure verbindet.

Der „Hausalarm“, ein schriller Ton aus den im Gebäude verteilten Lautsprechern, hatte die dort anwesenden Personen aufgeschreckt. Er war ausgelöst worden, weil Mitarbeiter im Labor bemerkt hatten, dass Chlorgas-Nebel aus einer Zehn-Liter-Gasflasche strömte. Der Meldung wurde an die Feuerwehr weitergeleitet, die den Alarm „Erkundung Schadstoff II“ auslöste. Die Polizei sperrte umgehend die Takustraße von der Ecke Arnimallee 200 Meter weit ab – wie in solchen Fällen vorgeschriebenen.

Die Feuerwehr rückte mit 54 Personen an, darunter zwei je drei Mann starke Trupps in giftgrünen Chemieschutzanzügen. Bei der Überprüfung der lecken Flasche stellte man fest, dass das Gas aus dem Ventil ausgeströmt war. Ob dieses defekt oder nur unsorgsam verschlossen worden war, stand gestern noch nicht fest.

Explosionsgefahr bestand nicht, doch ist das Gas schon in Verbindung mit dem in der Luft enthaltenen Wasserdampf stark ätzend und gesundheitsschädigend. Wie die Einsatzleiterin der Feuerwehr, Kathrin Richter-Pfafferott, mitteilte, schlossen die Feuerwehrleute das Ventil und forderten einen Spezialtransportbehälter an. In ihm lagert die lecke Flasche in Wasser, damit weiter austretendes Gas gebunden wird und eine Gefahr für die Bevölkerung ausgeschlossen ist. Die Flasche kam zum Sprengplatz Grunewald zur Zwischenlagerung. Wie Thomas Lehmann, Mitarbeiter des Instituts für Chemie, sagte, soll heute ein Fachmann des Gasflaschenherstellers der Firma Messer-Griesheim die Flasche auf mögliche Defekte untersuchen.

Gegen 19.15 Uhr hob die Polizei die Sperrungen wieder auf. Kurz danach brach das Unwetter los.

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