Berlin : Gaslaternen: Das Licht wird immer trüber

Ekkehard Schwerk

Auch vier Monate nach Übernahme der rund 44 000 Gaslaternen aus fast 150-jähriger städtischer Regie (Gasag) durch die Firma AT-Lux reißen die Beschwerden aus der Bevölkerung nicht ab. AT-Lux, eine Tochter der Unternehmensgruppe Alba, hat sich des Verdachts zu erwehren, ihrer vertraglichen Verpflichtung für Instandhaltung und Reparatur der bei der Bevölkerung beliebten Gaslaternen nicht nachzukommen. Sie weist ihrerseits auf Unwilligkeit der Gasag hin, die erklärtermaßen gegen eine Hergabe der öffentlichen Beleuchtung an eine Privatfirma war.

Die Beschwerdebriefe lesen sich zum Beispiel so: "Ein gasbetriebener Peitschenmast vor dem Hause Kaiserin-Augusta-Straße 2 in Tempelhof ist seit Wochen Dauerbrenner, genau um die Ecke von diesem, vorm Haus Theodorstr. 6, ist die Gaslaterne seit geraumer Zeit ausgefallen." Die Schadensmeldungen seien freundlich entgegen genommen und im Computer gespeichert worden, doch es erfolgte nichts.

Oder so ein Brief: "Noch nie habe ich nachts soviele defekte Gas / Elektrolaternen gesehen wie zur Zeit." Oder so: "In der Reinickendorfer Straße, Höhe Wedingplatz an der dortigen Bushaltestelle, brennen seit Monaten drei elektr. Laternen nicht. Nach meinem letzten Anruf bei der AT-Lux ist jedoch eine Änderung eingetreten: Die Laternen brennen zumindest tagsüber, nachts jedoch weiterhin nicht."

Von den 44 000 Gaslaternen in Berlin sind gegenwärtig ungefähr 1 500 nicht in Betrieb. Normalerweise sind höchstens 700 reparaturbedürftig. Das teilt auf Anfrage die Firma AT-Lux mit, die seit Jahresbeginn die alleinige Zuständigkeit für alle Gaslaternen von der Gasag übernommen hat. Die schriftlich oder telefonisch vorgebrachten Beschwerden von Berlinern über ausfallende Laternen häufen sich.

Dem hält AT-Lux entgegen, dass die Gasag die Übergabe nicht gerade erleichtert habe. Sie habe kein Kataster, also keine Übersicht über die Laternen, zur Verfügung gestellt, was einen raschen Einsatz der Reparaturkolonne unmöglich mache. Überdies hatte die Gasag die Preise für Ersatzteile aus dem Lager derart aufgeschlagen, dass sich AT-Lux veranlasst gesehen habe, sich anderweitig zu versorgen. Die Preisfrage wird übrigens bei der Gasag nicht bestritten.

AT-Lux bekomme, wie Firmensprecher Axel Bahr sagt, täglich bis zu 400 Störmeldungen und sieht sich in der Lage, bis zu 300 Reparaturen täglich vorzunehmen. Anfängliche Lieferschwierigkeiten von Glühstrümpfen seien überwunden. Hingegen gibt es derzeit Engpässe bei Steuerteilen, also jenen, die das automatische An- und Abschalten der Beleuchtung bewirken. Pro Jahr werden, wie Bahr weiter sagte, ungefähr 20 000 solcher Teile gebraucht.

Obschon die Störanfälligkeit von Gaslaternen höher sei als bei elektrischer Straßenbeleuchtung, denke die Firma AT-Lux nicht daran, die Gasbeleuchtung womöglich peu à peu abzuschaffen. Das stünde auch im Gegensatz zur vertraglichen Verpflichtung gegenüber der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

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