Berlin : Gasspeicher – knapp an der Katastrophe vorbei

Explosion von 2004 war gefährlicher als bekannt

Jörn Hasselmann

Von Tanklager-Explosionen wie jetzt bei London blieb Berlin verschont. Knapp an der Katastrophe vorbei aber schrammte die Feuerwehr bei der Explosion am unterirdischen Gasspeicher in Charlottenburg im April 2004. Dies wurde jetzt bekannt. Es habe lange Zeit „ein hohes Risiko mit jederzeitiger Eskalation gegeben“, sagte der Brand-Oberrat Wolfgang Franz kürzlich auf einer Katastrophenschutztagung des Landesamts für Arbeitssicherheit. Das Sichern und Kühlen des Gasaustritts habe nur mit Kräften des Katastrophenschutzes und des THW bewältigt werden können. Wie berichtet, hatte sich am 23. April 2004 eine schwere Explosion an einer der Füllsonden des Speichers ereignet, als eine Firma mit einem falschen Mittel die Sonde reinigte. Drei Arbeiter waren lebensgefährlich verletzt worden. Erst nach sechs Stunden war es damals gelungen, den Gasaustritt völlig zu stoppen, da ein Absperrventil geklemmt hatte.

Unbemerkt von der Öffentlichkeit hat die Gasag mehr als 14 Monate nach der Beinahe-Katastrophe den unterirdischen Speicher wieder in Betrieb genommen. Die damals explodierte Sonde bleibt abgeschaltet. Unterdessen hat die Gasag die Sicherheitsvorkehrungen auf den anderen Sondenplätzen verschärft. So soll bei Wartungsarbeiten ein mobiles Feuerlöschsystem in Position gebracht werden, mittelfristig soll auch auf dem dritten Sondenplatz ein stationäres System installiert werden, hieß es bei der Gasag. Zudem will die Gasag bessere Not-Stop-Systeme installieren, auch dies war auf dem Katastrophenschutzforum eine Forderung der Feuerwehr.

Unter Charlottenburg und Spandau speichert die Gasag seit 1992 bis zu einer Milliarde Kubikmeter Erdgas unter großem Druck von 120 Bar. Die Speicherung erfolgt aus wirtschaftlichen Gründen: Im Sommer wird billiges Gas gekauft, dass in den Wintermonaten entnommen wird. Eingefüllt und entnommen wird das Gas über mehrere Sonden. Die damals explodierte Sonde wurde abgeschaltet, da Trümmer bis in eine Tiefe von 876 Meter gefallen sind. Unklar ist jetzt, ob der Speicher ohne diese Sonde seine volle Leistungsfähigkeit behalten hat. Dies könne man erst in mehreren Jahren beurteilen, sagte gestern Gasag-Sprecher Klaus Haschker, möglicherweise müsse parallel ein neuer Be- und Entfüllstutzen gebohrt werden. Jörn Hasselmann

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