Gastbeitrag von Dr. Motte : Die Gema zerstört unsere musikalische Vielfalt
14.07.2012 00:00 UhrVerteuerungen von 1000 bis über 3000 Prozent
Aber auch die Gäste, die nicht in Clubs der Stadt gehen, sondern nur in der Eckkneipe ihr Feierabendbierchen trinken wollen, sind von der Tarifreform betroffen, denn gerade auch kleine Musikkneipen trifft es hart. Schnell kommen Verteuerungen von 1000 bis über 3000 Prozent zusammen, wie der Dehoga in Beispielrechnungen zeigt. Lothar Grasnick, der Veranstalter der Berliner Biermeile, sagte mir am Telefon, dass er sich nach Verhandlungen mit Vertretern der Gema dazu entscheiden musste, auf seiner Veranstaltung keine Musik mehr abzuspielen. Die Herren beharrten auf einer Gebühr für die gesamten 2,2 Kilometer anstelle der tatsächlich beschallten Quadratmeter um Bühnen und Theken.
Video: Berliner Clubszene beschallt Gema
Protest gegen Gema
Und die Politik? Obwohl sich beinahe alle Parteien mit der Initiative FAIRplay solidarisiert haben und das Anliegen der Clubbetreiber und Veranstalter unterstützen, möchte Wirtschaftssenatorin Frau von Obernitz abwarten, wie ein Schiedsverfahren vom Marken- und Patentamt entschieden wird (Quelle: http://youtu.be/3C1sfshQGsU). Das kann über ein Jahr dauern! Die Gema will trotzdem die neuen Gebühren auf ein Anderkonto gezahlt haben. Das bedeutet das Ende eines Großteils der Veranstaltungsbranche in Deutschland und eine Zerstörung der musikkulturellen Vielfalt – nicht nur in Berlin.
Deshalb haben wir auf der Kundgebung beim Gema-Mitgliederfest gerufen: „Stoppt die Gema-Tarifreform!“ Denn viele von ihnen sind schlecht informiert. Im Mitgliedermagazin „Virtuos“ wurde dem Thema eine halbe Seite Text gewidmet. Und als wäre all das nicht schlimm genug, will die GVL zusätzlich 100 Prozent auf den Gema-Tarif. Und dann will das Finanzamt Mitte auch noch nachträglich Geld für zu wenig gezahlte Steuern auf Eintrittspreise rückwirkend für fünf Jahre...
Und ich als Künstler und DJ? Wo trete ich auf, wenn es kaum noch Clubs in Berlin und Deutschland gibt? Was ich als angeschlossenes Mitglied von der Gema ausgezahlt bekomme, ist lächerlich. Soll ich ab 1. Januar 2013 meine Rücklagen verbrauchen und in absehbarer Zeit zum Jobcenter gehen? Es gibt genug Gründe, sich zu engagieren und sich öffentlich für eine faire Tariffindung mit allen Beteiligten einzusetzen. Ich danke allen Fraktionen im Berliner Abgeordnetenhaus für ihre Solidarität!
Dr. Motte ist Techno-DJ sowie Gründer und ehemaliger Organisator der Loveparade.



















