Berlin : Gastronomie mit Show-Programm: Café Warschau wird amerikanisch

Österreicher plant an der Karl-Marx-Allee US-Großrestaurant und hofft auf Tom Jones

Christian Hunziker

Nach Jahren des Leerstands hat das ehemalige Café Warschau an der Karl-Marx-Allee wieder einen Betreiber. Der Mietvertrag sei vor wenigen Tagen unterzeichnet worden, bestätigte Steffen Leuschner vom Maklerunternehmen Aengevelt, das mit der Vermarktung von Einzelhandels- und Gastronomieflächen an der Allee beauftragt ist. Entstehen werde ein Großrestaurant im amerikanischen Stil, das sich als „die amerikanische Entertainment-Adresse“ verstehe. Da der Innenausbau des derzeit „entkernten“ Lokals mehrere Monate beansprucht, wird das Restaurant, das „Croc’s All-American Café“ heißen soll, nach Auskunft von Leuschner erst Anfang April 2003 eröffnet.

Hinter dem Vorhaben steht Horst Nira, ein gebürtiger Wiener, der nach eigenen Angaben jahrelang im Show-Business von Las Vegas tätig war und ähnliche Clubs in Florida, Tokio und Athen betreibt. Nach seinen Worten will er den Besuchern nicht nur ein Tagesgeschäft mit Frühstück und Mittagessen, sondern auch ein abendliches Show-Programm der Extraklasse bieten. „Zur Eröffnung wird wahrscheinlich Tom Jones kommen“, sagt Nira, der in den USA den Vornamen Mike trägt. Auch Bands wie No Angels oder Bro’Sis will er nach Friedrichshain holen. An Werktagen sollen Doppelgänger von Stars wie Britney Spears für Stimmung beim anvisierten jugendlichen Publikum sorgen. Bereits für Silvester plant er eine Baustellenparty, bei der die US-Boygroup B 3 auftreten soll. Eine gewisse Skepsis gegenüber den Versprechungen Niras verspürte ursprünglich auch Makler Leuschner. Es habe sich aber gezeigt, dass der Österreicher tatsächlich über die von ihm behaupteten exzellenten Kontakte zur Show-Branche verfüge, die Bonität stimme. „Unser Glück ist, dass wir jetzt jemanden haben, der Leute anzieht“, sagt Leuschner. Davon würden auch die anderen Restaurants und Geschäfte an dem nach der Wende in die Krise geratenen Boulevard profitieren. Dass es so lange dauerte, bis ein Mieter für das ehemalige Café Warschau gefunden wurde, begründet Leuschner mit der Krise in der Gastronomie: Die Brauereien seien mit der Finanzierung zurückhaltend geworden, und gute Gastronomen könnten unter einer Vielzahl von Lokalen auswählen.

Das Café Warschau war eines von sechs Nationalitätenrestaurants in Ost-Berlin und erfreute sich großer Beliebheit. Es bot 400 Sitzplätze sowie im Sommer weitere 200 Plätze im Freien. Eigentümerin des Cafés ist heute die Aareal Bank, die frühere Depfa, während die Außenfläche der Wohnungsbaugesellschaft Friedrichshain gehört. In den Innenausbau wollen Nira und die hinter ihm stehenden amerikanischen Geschäftsleute nach eigenen Angaben 600 000 bis 700 000 Euro investieren.

Dass sich der Entertainment-Unternehmer für die Karl-Marx-Allee entschied, hat nichts mit der Geschichte der in den fünfziger Jahren errichteten Vorzeigestraße des früheren Ost-Berlin zu tun. Vielmehr, so Nira, habe er festgestellt, dass „der Westteil der Stadt von Entertainment null versteht“, während die Leute im Osten „eher aufgeschlossen“ seien. Die Gegend gefalle ihm eigentlich überhaupt nicht: Die vorhandenen Restaurants seien bestenfalls „Mittelmaß“, und es habe „alles noch diesen kommunistischen Touch“. Das sieht Makler Leuschner natürlich anders. Seit die Eigentümer der Allee (zu ihnen zählen die Munte- Gesellschaft für Projektenwicklung sowie der Fondsanbieter Wert-Konzept) im Sommer 2001 das Maklerunternehmen Aengevelt mit der Vermarktung Handels- und Gastromiefläche beauftragten, seien 23 Mietverträge über insgesamt 5000 Quadratmeter Fläche unterzeichnet worden. Der Ladenleerstand sei damit von 40 auf 15 Prozent gesunken. Dass dem Augenschein nach deutlich mehr Geschäfte leer stehen, erklärt Leuschner damit, dass es wegen der nötigen Umbauarbeiten oft mehrere Monate von der Vertragsunterzeichnung bis zur Eröffnung dauere.

Das einstige Café Warschau sah zuletzt in seinem Inneren wie eine Ruine aus. Während der Biermeile war es Treffpunkt von Sammlern von Bierdeckeln und -krügen.

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