Gastronomie : Pankow: Ekel-Fotos jetzt online

Eine verschimmelte Zwiebel, zu warm gelagerte Fleischbrocken und jede Menge schmuddeliger Ecken: Seit dem heutigen Freitagmittag zeigt das Bezirksamt Pankow Bilder aus den Ekel-Lokalen.

Werner Kurzlechner
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Dreckecke. In diesem Pankower Imbiss wurden bei laufendem Betrieb Bauarbeiten durchgeführt.

Eine verschimmelte Zwiebel, Thermometer in zu warm gelagerten Fleischbrocken und jede Menge schmuddeliger Ecken und Rohre: Seit dem heutigen Freitag können sich Internet-Nutzer auf den Seiten des Bezirksamts Pankow selbst ein Bild davon machen, wie es in den Gastronomiebetrieben auf der Ekelliste des Amts zum Zeitpunkt der Lebensmittelkontrollen ausgesehen hat. Wie angekündigt, aktualisierte der Bezirk seine Liste und veröffentlichte erstmals auch Fotos, die die beanstandeten Zustände in Speiselokalen und bei Lebensmittelhändlern dokumentieren.
 
Allerdings gibt es nicht zu jedem Betrieb Bilder zu sehen: Lediglich zu zwölf von den 23 seit mehreren Wochen gelisteten Betrieben sind Fotos eingestellt. Die Pressestelle des Bezirksamtes begründete dies damit, dass die zur Beweissicherung gemachten Aufnahmen teilweise keine Aussagekraft für die Öffentlichkeit hätten. "Der Datumsstempel auf einer abgelaufenen Lebensmittelpackung ergibt beispielsweise nur im Protokoll unserer Kontrolleure Sinn", sagte ein Sprecher. Demgegenüber mache die Temperaturanzeige von 15 Grad Celsius in einem Fleischbottich für jeden nachvollziehbar, dass die Kühlung nicht in Ordnung sei.

Ekel-Lokale in Pankow
Ekellisten wird es wohl nicht in ganz Berlin geben, kontrolliert wird trotzdem. Foto: dpaWeitere Bilder anzeigen
1 von 25Foto: dpa
29.07.2009 08:29Ekellisten wird es wohl nicht in ganz Berlin geben, kontrolliert wird trotzdem.


Neu hinzugekommen sind auf der Negativliste - allesamt mit Fotos - drei Lokale. Darunter befindet sich als besonders krasser Fall ein italienisches Restaurant an der Schönhauser Allee, dessen Betrieb im März zwischenzeitlich von den Behörden untersagt worden war. Die geringe Anzahl an Neuzugängen wertet Bezirksstadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne) als Erfolg des durch die Ekelliste erzeugten Drucks. "Ursprünglich hatten wir 20 Betriebe in der Pipeline", so Kirchner. Die drohende Veröffentlichung mitsamt Fotos habe die meisten Gaststätten dazu gebracht, die Missstände unter ihrem Dach schleunigst zu beseitigen. Von nun an solle die Dokumentation auch mit Bildern die Regel werden, kündigte der Stadtrat an. "Außerdem werden wir die Liste von nun an jedem Freitag aktualisieren.“ Bislang waren seit der Erstveröffentlichung der Liste Anfang März lediglich Betriebe gestrichen worden, die die Mängel in der Zwischenzeit beseitigt hatten.

Klaus-Dieter Richter, Vizepräsident des Hotel- und Gaststättenverbandes Berlin, kritisierte die Veröffentlichung von Fotos, die zum Teil im Frühjahr vergangenen Jahres aufgenommen wurden. "Wir halten nichts davon, dass mit teilweise veralteten Fotos die populistische Karte gespielt wird", so Richter. An der ablehnenden Position seines Verbandes habe sich nichts geändert: Bei katastrophalen hygienischen Mängeln müssten Lokale schon von Gesetzes wegen geschlossen werden. Ein öffentlicher Pranger sei deshalb überflüssig.

Pdf-Dokumente zum Herunterladen: Die Ekellokale geordnet nach Adressen und geordnet nach Betriebsnamen

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