Gastronomie : Wienerwald: Das Grillhendl kehrt zurück

„Heute bleibt die Küche kalt, …“ – der Werbespruch war ein Klassiker. Jetzt öffnet die Restaurantkette wieder eine Filiale in Berlin.

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Hähnchen statt Haarspray. Am Lehniner Platz hat Wienerwald die Räume eines Drogeriemarkts übernommen.
Hähnchen statt Haarspray. Am Lehniner Platz hat Wienerwald die Räume eines Drogeriemarkts übernommen.Thilo Rückeis

Vor fünf Jahren verschwand das berühmte „halbe Grillhendl“ aus Berlins Stadtbild, als die letzten Wienerwald-Schnellrestaurants unter dem Steglitzer Kreisel und am Kurfürstendamm nahe dem Olivaer Platz schlossen. Doch jetzt kehren die Hähnchengriller mit einer Filiale am Ku’damm zurück – und 25 weitere sollen in Berlin und Brandenburg folgen. Offiziell eröffnet der neue Wienerwald am Lehniner Platz 2 gegenüber der Schaubühne erst am kommenden Sonnabend, doch schon jetzt werden Kunden bedient – die „stille Eröffnung“ dient dazu, Abläufe zu testen und das Personal einzuarbeiten.

Nach zwei Pleiten in der wechselvollen Firmengeschichte expandiert Wienerwald seit vier Jahren wieder. Die Erben des 1998 verstorbenen Gründers Friedrich Jahn haben die Markenrechte zurückgekauft und ein Franchisesystem aufgebaut. Lizenznehmer betreiben die neuen Restaurants und konkurrieren mit den vielen heutigen Schnellrestaurantketten, deren Vorläufer Wienerwald einst war.

Für Berlin und Brandenburg ist die junge Gastronomin Sarah Metscher die Hauptpartnerin des Unternehmens; sie will nicht alle geplanten Standorte in der Region selbst bewirtschaften, sondern ihrerseits Franchisenehmer suchen. Laut einem Sprecher soll bis Anfang April eine Filiale an der Falkenseer Chaussee in Spandau folgen, auch Räume in Kreuzberg seien „bereits im Gespräch“. Zum bundesweiten Vorzeigestandort sollen die Räume am Kurfürstendamm werden, in denen früher ein Drogeriemarkt verkauft hatte.

Das Innendesign verbinde „Tradition und Moderne“, heißt es. Farblich dominieren Weiß und Hellgrün, skizzierte Waldmotive zieren die Wände. Gegessen wird an Stehtischen oder in den typischen Sitznischen, wo es statt Holzstühlen nun hellbraune Kunstlederbänke gibt. Bald sollen dort grüne Stofflampen im Retro-Design hängen, wegen Lieferproblemen wurden allerdings erst einmal weiße Ikea-Lampen montiert. „Der Star auf unserer Speisekarte ist nach wie vor unser Grillhendl“, sagt Daniel Peitzner, der Enkel des Gründers und heutige Geschäftsführer der Kette. Man bietet aber auch mehr Salate, Wraps und Burger an. Zum Konzept gehört ein Lieferservice, den es in Berlin in der Startphase aber noch nicht gibt.

Die Firmengeschichte reicht bis ins Jahr 1955 zurück, als der ehemalige Oberkellner Friedrich Jahn in München sein erstes Lokal eröffnete und das „Grillhendl“ zum preisgünstigen Alltagsgericht machte. „Heute bleibt die Küche kalt, wir gehen in den Wienerwald“, lautete ein bekannter Werbeslogan. Mitte der 80er erreichte die Expansion mit rund 1600 Filialen in 18 Ländern ihren Höhepunkt – dadurch aber wuchsen die Schulden so stark an, dass Jahn sein Unternehmen verlor. In den folgenden Jahrzehnten wechselten die Betreiber. In Deutschland kam es 2007 wieder zur Insolvenz, und viele Filialen schlossen.

Kurz darauf erwarben Jahns Kinder die Marke und planten den Neubeginn. Jetzt gibt es 29 Restaurants in Deutschland, 25 in der Türkei, drei in Rumänien und bald auch eines in Kasachstan. Cay Dobberke

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