Berlin : Gauck: BER-Probleme zügig lösen

Nach der Absage des BER-Beraters geht die Diskussion ums Personal weiter.

Foto: dpa/Wolfgang Kumm
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Potsdam/Berlin - Öffentliche Ratschläge zum Flughafen-Fiasko will Bundespräsident Joachim Gauck nicht geben. Aber natürlich ist der erste Mann im Staate besorgt, dass durch die Pannenserien um den Hauptstadt-Flughafen die Reputation Deutschlands Schaden nehmen könnte. So sagt Gauck, als er am Dienstag bei seinem Antrittsbesuch im Land Brandenburg von Journalisten in Potsdam kurz zum BER befragt wird, so knapp wie vielsagend: „Es wäre schon hilfreich, wenn die Probleme schnell bereinigt werden.“ Mehr nicht, er sei schließlich kein Bauexperte, obwohl er früher selbst habe einiges reparieren müssen, „zum Beispiel meinen Trabant“.

Es ist der Tag nach der nächsten Hiobsbotschaft. Die Absage des früheren Frankfurter Flughafen-Managers Wilhelm Bender, der nicht BER-Chefberater wird, schlägt Wellen. Und sie bringt besonders Berlins Regierenden Klaus Wowereit (SPD) in die Kritik. Denn Bender machte deutlich, dass das Ausscheren Berlins bei der geplatzten Vertragsunterzeichnung, die so provozierte Debatte um sein Honorar, der maßgebliche Grund für die Absage war, während sich Aufsichtsratschef Matthias Platzeck (SPD) korrekt verhalten hätte. Und die Opposition von CDU und FDP in Brandenburg horchte auf, weil Bender zudem die Uneinigkeit der drei Gesellschafter der Flughafengesellschaft über Perspektiven des Airports angeführt hat. FDP-Landeschef Gregor Beyer regte an, Bender im BER-Sonderausschuss des Landtages anzuhören, um zu erfahren, ob es mit dem Projekt überhaupt noch etwas werden könne.

Die Idee stieß allerdings auf Ablehnung, nicht nur bei der rot-roten Regierungskoalition. CDU-Fraktionschef Dieter Dombrowski: „Herr Bender hat gesagt, was zu sagen war. Er ist Pensionär. Ich wüsste nicht, welchen Anspruch ein Sonderausschuss haben sollte, ihn einzuladen.“ Der CDU-Politiker machte deutlich, was er von der Honorardebatte hält: „Mir ist ein sachkundiger Mann, der eine halbe Million verdient, viel lieber, als ein Aufsichtsrat, der 600 Euro im Jahr bekommt, aber Milliarden an die Wand fährt.“

Im Bund stellt man sich bereits auf die neuen Bedingungen ein. Einerseits sei man sich bewusst, dass Benders Absage ein weiterer Rückschlag auf der Suche nach einem neuen Geschäftsführer sein kann, heißt es. Andererseits gebe es möglicherweise auch positive Aspekte der Absage, insofern, als dass für potenzielle Geschäftsführer-Kandidaten die Existenz eines Chef-Beraters auch abschreckende Wirkung hätte haben können. Aber egal wie, noch ist kein neuer Geschäftsführer gefunden, dafür ist man aber wohl einem Personalvermittler, einem so genannten Headhunter näher gekommen, der für die Flughafengesellschaft einen Nachfolger für den entlassenen Geschäftsführer Rainer Schwarz finden soll. Das wird auch Gegenstand der Aufsichtsratssitzung am Freitag sein.

Klar ist aber, dass immer noch keine einzige Personalie geklärt ist: weder ist ein Gesamtvorstandschef, noch ein Finanzchef gefunden. Auch die Suche nach Experten für das Aufsichtsgremium blieb bisher ohne Erfolg. Neben den Personalien wird es am Freitag auch um die weitere Erstellung der Mängelliste gehen. Gespannt ist man beim Bund aber vor allem darauf, welche konkreten Vorschläge Aufsichtsratschef Platzeck in Sachen Nachtflugverbot machen wird. thm/ctr

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