Berlin : Gauner im Nikolaiviertel Goldene 20er Jahre im Zentrum der Historiale

Razzia im Nikolaiviertel! Der „Nussbaum“, die Alt-Berliner Destille, wird von 13 Polizisten mit Schnurrbart und Tschako tatortmäßig eingekreist. Drin sitzen unter den verdutzten Gästen verdächtige Gangster, Gauner und Ganoven, die von den Gesetzeshütern ausfindig gemacht und abgeführt werden. Alles geschieht öffentlich, das Volk schaut belustigt zu – am 28. August im Nikolaiviertel. Die Razzia am Nussbaum ist einer von vielen Programmpunkten der diesjährigen Historiale zum Thema „Die Goldenen Zwanziger“.

Das Geschichtsfestival findet bereits zum sechsten Male statt, es begann 2006 mit Napoleons Einzug durchs Brandenburger Tor und lockte zuletzt 2009 mit dem Thema „Kaiserzeit in Berlin“ fast 90 000 Zuschauer an. Hier wird mit großem Enthusiasmus lebendig Geschichte vermittelt, 120 000 Euro kostet das Vergnügen den Veranstalter, die Berlin Story Unter den Linden und ihren Chef Wieland Giebel. Einen Teil spendiert die Wohnungsbaugesellschaft Mitte, um zu zeigen, dass das von Baugruben umzingelte Nikolaiviertel trotz alledem atmet, lebt und viel zu bieten hat, nicht zuletzt die restaurierte Nikolaikirche selbst.

Rund um Berlins ältestes Gotteshaus gruppieren sich am 27. August ab 16 Uhr beim Historiale-Markt 40 Stände, über 300 Darsteller, Tänzer und Musiker auf der Bühne, wo wieder historische Persönlichkeiten wie Claire Waldoff, Albert Einstein („Ein Genie über Leidenschaft zur Wissenschaft“), Vicki Baum, Thomas Mann, Henny Porten, Lilian Harvey oder Heinrich Zille interviewt werden. „Da hören die Zuschauer zu wie bei einer spannenden Schulstunde“, sagt Wieland Giebel zu diesen öffentlichen Talk-Shows, die von Musik im Stil der Zwanziger umrahmt werden. Foxtrott, Tango und Charleston spielen die Salonlöwen und ihre Hupfdohlen, auch „Berolinas linke Wade“ zeigt, was sie kann. Am 28. August ist kurz nach 20 Uhr ein Konzert mit André Hermlins Swing Dance Orchester geplant – an allen Tagen ergänzen Führungen das Programm, das bereits am 23. August beginnt und zu dem auch ein zweitägiger Kongress, zwei Filmabende und eine Salon-Party gehören. Lo.

Das Programm im Netz unter:

www.historiale.de

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