„Gay Night“ : Wilde Debatte um Zoo

Der Geschäftsführer der Berlin Tourismus Marketing kritisiert den Zoo-Direktor wegen mangelhaftem Verständnis für Marketing. Der hat das Zoofest für ein homosexuelles Publikum abgesagt.

Annette Kögel

Der Zoologische Garten Berlin ist heftig in die Kritik geraten. So bedauerte die Berlin Tourismus Marketing (BTM) die Absage der seit fünf Jahren gefeierten „Gay Night“ am 25. Juni im Zoo. BTM-Geschäftsführer Hanns Peter Nerger sagte, „wir fürchten, dass der Zoo wieder in einen Dämmerschlaf zurückfallen wird, in dem er früher einmal war“. Die Absage des Zoofestes, dass sich an das homosexuelle Publikum wandte, entspreche „der konsequenten Haltung von Zoodirektor Blaszkiewitz, die wieder zeigt, dass er keinerlei Gefühl für Marketing hat“. Der Zoo-Chef wies die Kritik zurück. Man wolle schlicht „seinen eigentlichen Aufgaben als Zoo mehr gerecht werden“.

Bei der „Gay Night“ hatte stets die Big Band der BVG gespielt. „Wir finden das sehr schade, dass es diese erfolgreiche Veranstaltung nicht mehr geben soll“, sagte BVG-Sprecher Klaus Waczlak. Der Geschäftsführer des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg, Alexander Zinn, sagte, die Absage wäre ein Skandal, wenn ihr Hintergrund der homosexuelle Charakter der Veranstaltung sein sollte. Ein solches Verhalten würde dem Image Berlins und des Zoos schaden. BTM-Pressesprecher Christian Tänzler sagte, mit der Absage „zerschlägt der Zoo Porzellan, was er gerade in die Vitrine gestellt hat“. Die BTM wirbt gezielt um homosexuelle Zielgruppen, die Berlin als tolerante Stadt schätzen. „Sie geben viel Geld aus, kommen gern wieder, gelten als dankbares Publikum und machen gerne Städtereisen“, sagte Tänzler. Die Grünen sprachen von „einem Affront gegen Lesben und Schwule“ und forderten die Wiederaufnahme der Veranstaltung als „Werbung für Berlin als weltoffene Stadt“.

Zoo-Chef Bernhard Blaszkiewitz betritt einen solchen Hintergrund der Absage: „Wir verzichten auch auf andere nächtliche Aktivitäten im Zoo, wie zum Beispiel die Walpurgisnacht.“ Diese gelten beim Zoo – wie auch die in diesem Jahr wieder reduzierten längeren Öffnungszeiten – als nicht rentabel. Bei der „Gay Night“ soll es sich jedoch nach Auskunft von Veranstaltern um eine auch finanziell gewinnbringende Veranstaltung gehandelt haben.

Zudem galten diese Feste beim Zoo-Marketing früher auch als Methode, neue Besucherschichten zu erschließen. Von Mitte 2004 bis Ende 2007 war der zweite Zoo-Vorstand, Gerald Uhlich, zuständig für das Marketing im Zoo – der besucherstärksten Einrichtung der Stadt, für die ein Eintritt zu entrichten ist. Seitdem sich Zoo und Uhlich getrennt haben, wird immer wieder Kritik an der Öffentlichkeitsarbeit des Zoos laut, die stark zurückgefahren wurde. „Wir würden die Einrichtung gern mehr im Ausland bewerben, das Marketing des Zoos lässt uns da aber nicht viel Spielraum“, sagt BTM- Sprecher Tänzler. So sei etwa der Geschäftsführer des Friedrichstadtpalastes auf eine Messe in die Schweiz mitgereist, um dort erfolgreich zu werben. Ursprünglich hatte der Zoo so etwas für 2008 vor.

Als der Knut-Hype über den Zoo hereinbrach, waren gerade zwei bis drei Mitarbeiter für Lizensierung und Vermarktung zuständig. Nürnberg hingegen hat für seinen Eisbären Flocke das Personal aufgestockt, dort sind es über ein Dutzend Fachleute. Von Zoo-Chef Blaszkiewitz dagegen ist bekannt, dass er den Rummel um Knut ablehnt, eher traditionelle tiergärtnerische Ziele verfolgt. Unterschriftsreife Verträge mit einem Filmemacher aus den USA, der Knut zur Zeichentrickfigur machen möchte, liegen seit Monaten in der Schublade. „Knut ist der charmanteste Botschafter Berlins der vergangenen Monate“, sagt Tänzler, „es wäre nichts Ehrenrühriges dabei, die Flamme, die er entfacht hat, am Brennen zu halten.“

Doch der Zoo fährt seine Marketing-Aktivitäten eher weiter herunter. „Seitdem Herr Uhlich weg ist, läuft da gar nichts mehr, uns wurde gesagt, die Aktivitäten sind eingestellt. Wir sind sehr enttäuscht“, sagte André Blechschmidt von einem großen deutschen Computerspielentwickler, der Lizenzen für ein Nintendo-Knutspiel beantragt hatte. Zudem stockt ein von der Wissenschaftsverwaltung gelobtes Projekt mit der Technischen Fachhochschule und der Wall AG zu einem mehrsprachigen Besucherleitsystem . Dabei stehen die 40 Prozent ausländischen Zoo-Gäste bislang allein vor deutschsprachigen Schildern.

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