Berlin : Gazeteler Rückblick: Als Sieger sind auch die Kurden Türken

Suzan Gülfirat

Jeden Montag im Tagesspiegel: Ein Rückblick auf die in Berlin erscheinenden türkischen Tageszeitungen.

"Wir haben auf vier erhöht" (Milliyet), "Türkischer Triumph in Berlin" (Hürriyet), "Vier Türken im Abgeordnetenhaus: Ein Bild des Stolzes" (Milliyet) und "Große Freude bei den Türken", hieß es nach den Wahlen in Berlin in den türkischen Blättern. Auch von Klaus Wowereit, Frank Steffel und Sibyll Klotz zeigten die Zeitungen Bilder. Andere Abgeordnete kamen in den Berichten und Reportagen nicht vor. Die Zeitungen berichteten, dass die "SPD der Sieger ist" und "koalieren kann, mit wem sie will" (Milliyet). Ebenso, dass "die CDU die Rechnung für den Spendenskandal bezahlt hat" (Hürriyet). Mit Ausnahme des Boulevardblatts Hürriyet druckten alle Zeitungen auch Tabellen mit den Ergebnissen in Prozent.

Die Hürriyet zeigte am Dienstag stattdessen Porträtfotos von den "türkischstämmigen Kandidaten" Dilek Kolat (SPD), Ülker Radziwill (SPD), Özcan Mutlu (B/90 / Grüne) und Giyasettin Sayan (PDS). Die kurdische Zeitung özgür Politika, die auf Türkisch erscheint, feierte dagegen nur ihre "drei kurdischen Abgeordneten." Obwohl - wenn man es aus dieser Warte sieht - nur zwei ein Mandat bekommen haben. Neben Giyasettin Sayan (PDS), der in Lichtenberg ein Direktmandat errang, und Özcan Mutlu, der über seinen Listenplatz weiter im Abgeordnetenhaus sitzen kann, hat die kurdische Zeitung auch die PDS-Politikerin Heli Evrim Baba aufgeführt. Zwar konnte sie sich weder in ihrem Wahlkreis in Neukölln durchsetzen noch schaffte sie es über ihren Listenplatz ins Abgeordnetenhaus, aber sie steht auf der Liste der PDS-Nachrücker auf Platz eins. Nun hofft nicht nur das kurdische Blatt, dass jemand abspringt, damit Evrim Baba aufrücken kann, so wie nach der letzten Wahl 1999. Auch damals war sie nachgerückt.

Auch die türkische Zeitung Hürriyet drückte Heli Evrim Baba kräftig die Daumen: "Die türkischstämmige Kandidatin Heli Evrim Baba hat immer noch Chancen", vermutete das Blatt am Dienstag. Seit Mittwoch informieren die Zeitungen ihre Leser über den "Koalitionspoker" (Hürriyet). Die Hürriyet widmete am Mittwoch dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit fast eine ganze Europa-Seite: "Berlin ohne Türken ist unvorstellbar", wurde er zitiert. Er wolle erneut in der Türkei Urlaub machen, hieß es. Zum Schluss kommt noch eine andere wichtige Information: Alle Abgeordneten müssen deutsche Staatsbürger sein.

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