• GAZETELER Rückblick: „Arzt schickt türkische Patientin weg“ Wie die „Hürriyet“ über das Sprachproblem älterer Türken berichtet

GAZETELER Rückblick : „Arzt schickt türkische Patientin weg“ Wie die „Hürriyet“ über das Sprachproblem älterer Türken berichtet

Suzan Gülfirat

Einen Fall schlimmer Diskriminierung will die „Hürriyet“ vergangenen Freitag aufgedeckt haben: Auf ihrer Titelseite berichtete die Zeitung von einer 86-jährigen türkischen Patientin, die von einem deutschen Facharzt nicht behandelt worden sei, weil sie kein Deutsch kann. „Arzt schickt türkischen Patienten weg“, titelte die „Hürriyet“ und: „Sprachpolemik während der Behandlung.“ Im Artikel zitierte die Zeitung dann den türkischen Hausarzt der alten Dame: „Das ist verboten und zudem rassistisch.“ Entsprechend war die Überschrift formuliert.

In der Europabeilage füllte der sogenannte Skandal eine halbe bebilderte Seite mit der Überschrift: „Deutschpflicht für Untersuchung“. In dem Artikel schildert die in Berlin lebende 86-jährige Gülizar A., dass sich der deutsche Arzt geweigert habe, ihr einen Termin zu geben, nur weil sie nicht Deutsch spreche. Der Mediziner begründete seine harte Linie so: „Die Hälfte unserer Patienten sind Migranten. Wir nehmen nur Patienten an, die mit einem Übersetzer kommen.“

Man musste die Geschichte schon sehr genau lesen, um zu erfahren, dass der Arzt die alte Dame nicht aus der Praxis gejagt hatte. Auch darüber, dass sich eine Diagnose und anschließende Behandlung durchaus schwierig gestalten können, wenn Arzt und Patient nicht dieselbe Sprache sprechen, findet sich in der „Hürriyet“ kein Wort. Nach dem Bericht der „Hürriyet“ hat ein ständiges Schütteln den Kopf und den Körper der 86-jährigen Patientin erfasst. Der Hausarzt hat sie deshalb für eine zusätzliche Untersuchung an einen Neurologen überwiesen.

Wie es dann weiterging, schildert die „Hürriyet“ so: Offenbar hatte die Tochter der alten Frau bei dem deutschen Facharzt angerufen und um einen Termin gebeten. „Nachdem die Helferin gehört hat, dass meine Mutter kein Deutsch kann, sagte sie, dass sie keine Patienten annehmen dürfe, die kein Deutsch könnten“, klagt die Tochter. Sie beschwerte sich über den Mediziner zunächst bei ihrem türkischen Hausarzt. Alaeddin Sönmez griff daraufhin selbst zum Hörer. „Zunächst konnte ich nur mit der Helferin sprechen, doch am nächsten Tag hat der Arzt angerufen und diese Anweisung bestätigt“, sagte Alaeddin Sönmez. Er hat kein Verständnis für seinen deutschen Kollegen. „Das ist Rassismus. Ich werde ihn der Ärztekammer melden“, kündigt Alaeddin Sönmez an. Suzan Gülfirat

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben