Berlin : Gazeteler Rückblick: "Big Brother" verboten (in der Türkei)

Suzan Gülfirat

Jeden Montag im Tagesspiegel: Ein Rückblick auf die in Berlin erscheinenden türkischen Tageszeitungen.

So einfach geht das in der Türkei. Am Freitag berichtete die Tageszeitung Hürriyet, dass der staatliche Rundfunkrat die Sendung "Jemand beobachtet uns" - das ist die türkische Version von "Big Brother" - verboten habe. Als Strafe sei dem Fernsehsender "Show TV", der in Berlin nur mit einer Satellitenschüssel empfangen werden kann, für einen Tag das Senderecht entzogen worden. Die Zuschauer des deutschen Fernsehens werden das Symbol dafür beim Herumzappen vielleicht schon einmal gesehen haben. Auf dem Bildschirm erscheint dann nur ein türkischer Text, in dem geschrieben steht, dass der Sender für ein oder mehrere Tage Sendeverbot hat, weil er nach Ansicht des Rundfunkrates gegen irgendein Gesetz verstoßen habe. Solche Verbote sind keine Seltenheit. Sogar den türkischsprachigen Ableger des amerikanischen Senders "CNN" hat es schon einmal getroffen.

Laut Verfassung gilt in der Türkei die Pressefreiheit, aber es gibt eine Instanz, in der Politiker sitzen und Fernseh- und Radiosendungen kontrollieren. Die türkische Big-Brother-Sendung, bei der Bewohner eines Hauses rund um die Uhr gefilmt werden, diene weder dem öffentlichen Interesse noch entspreche sie der allgemeinen Moral und der türkischen Familienstruktur, habe das Gremium erklärt. Sollte "Show TV" die Sendung nicht aus dem Programm nehmen, drohe ihm die dauerhafte Schließung, teilen die Programmgestalter von "Show TV" sogar auf ihrer Webseite mit.

Die Nachricht von diesem Sendeverbot konnte man in Deutschland nur auf der Webseite der Hürriyet vom Freitag lesen. Darin heißt es auch, dass die Sendung eine Flut von Beschwerden an den Fernsehrat hervorgerufen habe. Die Zuschauer seien besonders empört gewesen, als ein 19-jähriger einer 36-jährigen zweifachen Mutter den Rücken massiert habe.

In den Deutschlandausgaben der Zeitungen wurde über den Prozessbeginn gegen die Berlinerin Andrea Rohloff, die in Izmir mit 6 Kilo Heroin erwischt wurde, berichtet. "Geldgier hat sie ruiniert", titelte am Mittwoch die Hürriyet zu einem relativ kurzen Text. Die Angeklagte hatte nach den Berichten in den deutschen und türkischen Zeitungen im Gerichtssaal eine 16-seitige handgeschriebene Aussage vorgelesen, in der unter anderem stand: "Es war eine schöne Vorstellung, soviel Geld zu besitzen." In einem kleinen Kästchen berichtete das Boulevardblatt zudem, dass "die ganze deutsche Medienlandschaft in Izmir ist." Die Konkurrenz, die Tageszeitung Türkiye, regte sich über einen dieser Korrespondenten auf: "Was ist denn das für eine Berichterstattung", fragte sie in der Überschrift ihrer dritten Seite am Mittwoch und meinte damit die "Bild-Zeitung". Diese hatte vor dem Prozess die Frage gestellt, ob Andrea "in Ketten vor den Richter" muss. "Der Bericht ist aus der Unkenntnis heraus entstanden, dass kein Gefangener in der Türkei in Ketten vor dem Richter erscheinen muss. So will die Zeitung Andreas Freilassung bewirken", behauptete das Blatt. Die Türkiye empfahl: "Die Bild-Zeitung sollte daran erinnert werden, dass die Türkei kein Kettenland ist und zu den EU-Anwärtern gehört."

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