Berlin : Gazeteler Rückblick: BSE-Furcht trifft auch die Döner-Läden

Suzan Gülfirat

Jeden Montag im Tagesspiegel: Ein Rückblick auf die in Berlin erscheinenden türkischen Tageszeitungen.

Die Nachricht, dass die Poelchau-Oberschule in Charlottenburg eine Sportschule wird, erschien auch in der Hürriyet vom Dienstag. Auf der dritten Seite seiner Nord-Spezial-Beilage, die Nachrichten aus Norddeutschland und Dänemark enthält, räumte das Blatt dem Ereignis gleich eine halbe Seite ein. Ebenso wie die deutschsprachigen Zeitungen veröffentlichte das Blatt die Telefonnummer, unter der die Eltern sich informieren können.

"Die Garantie-Bescheinigung, die den Döner gerettet hat", war an diesem Tag jedoch wichtiger. Auf der Titelseite der Beilage kam ein Dönerproduzent aus Berlin zu Wort, der eine Filiale von "Döner King" in Hannover vor dem Ruin gerettet habe, weil er bescheinigt, dass seine Spieße frei von BSE-Erregern seien. Die überwiegend deutschen Kunden kämen wieder in den Laden. In einem Kästchen kam der Produzent so zu Wort: "Für die Spieße benutze ich ausschließlich Fleisch von Lämmern und Kälbern, die wenige Monate alt sind. Die Behörden erklären, dass solche Tiere nicht mit Tiermehl gefüttert werden, das aus Knochen hergestellt wird." Er lasse sich dies von dem Fütterer der Tiere zusätzlich bescheinigen. Die Hürriyet hat bereits vorher mit ähnlichen Berichten versucht, die Dönerhersteller und -verkäufer vor Verlusten zu retten. Am gleichen Tag berichtete jedoch die Tageszeitung Türkiye, dass die Dönerläden in Deutschland bis zu 70 Prozent weniger Einnahmen hätten.

Die Milliyet berichtete an diesem Tag auf ihrer Titelseite vom "Fastenverbot für den Präsidenten." Der Arzt habe dies verordnet, nachdem Präsident Necdet Sezer zwei Tage gefastet hatte. Zumindest sei Sezer zum Trinken verpflichtet worden. Während der Fastenzeit "Ramadan", die am 27. November begann, darf weder gegessen noch getrunken werden. Der Koran schließt jedoch Kranke ausdrücklich von dieser religiösen Pflicht aus. Und Sezer hatte vor kurzem eine Bypass-Operation. Durch den Wasserverlust in seinem Körper sei sein Gesundheitszustand gefährdet, berichtete das Blatt. Dass ein Kranker so vorbildlich die Weisungen des Arztes befolgt, ist in der islamischen Welt nicht immer selbstverständlich. In ihrem religiösen Eifer fasten auch schwerkranke Menschen, so dass in der Ramadanzeit nicht nur Prediger, sondern auch Ärzte über die Medien Ratschläge erteilen müssen.

Am Donnerstag berichtete die Hürriyet über Aufregungen um die Namen von Möbeln in Hildesheim. Vor etwa zwei Wochen hat die Hildesheimer "Möbelhandlung Schwetje" in einem lokalen Anzeigenblatt Weihnachtsangebote angekündigt. In dem Text tauchten, wie berichtet, Möbelnamen auf wie Adolf, Herrmann und Rommel. Das rief in Hildesheim alle Parteien, die Jüdische Gemeinde und auch den Staatsanwalt auf den Plan. Laut Hürriyet ist der Fall sogar in Tourismusbroschüren in der Türkei erwähnt worden. Der Staatsanwalt hat zwar die Ermittlungen eingestellt, der Ärger jedoch hält wohl nach wie vor an. In der vergangenen Woche sagte die Ehefrau des deutschen Geschäftsinhabers in der Hürriyet: "Wäre er ein Nazi, hätte ich ihn nicht geheiratet." Die gebürtige Türkin Y¤ld¤z Schwetje gab gegenüber der Zeitung an, dass sie seit 31 Jahren mit ihrem Ehemann verheiratet sei. Beide hätten sogar die Absicht, sich in Antalya niederzulassen. Sie präsentierte sich selbst als den Beweis für ihre Behauptung: "Er hätte mich doch nicht geheiratet, wäre er ein Nazi."

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