Berlin : Gazeteler Rückblick: "Danke Fischer für das Generalkonsulat"

Suzan Gülfirat

Jeden Montag im Tagesspiegel: Ein Rückblick auf die in Berlin erscheinenden türkischen Tageszeitungen.

Am Montag und am Dienstag in der vergangenen Woche brachten sämtliche türkischen Tageszeitungen das Fest zum türkischen Kinderfeiertag im Volkspark Schöneberg, der in der Türkei am 23. April begangen wird, auf ihren Titelseiten. Die Berichterstattung zu den Festen zum "23 Nisan Bayram¤" (23.-April-Feiertag) in ganz Europa gingen in den türkischen Zeitungen noch bis Ende der Woche. "Unser 81-jähriger Stolz", hieß es auf der Titelseite der Tageszeitung Türkiye am Montag zu einem Foto von dem Fest in der Schöneberger Grünanlage. Das Blatt meinte damit den Kinderfeiertag, den der "Vater der Türken", Kemal Atatürk, bei der Staatsgründung 1923 den Kindern seines Landes gewidmet hat und seitdem als großes Ereignis mit paradeähnlichen Festumzügen und internationalen Aufführungen in großen Stadien in der Türkei gefeiert wird.

Wie auch in den Jahren zuvor kamen am vorletzten Sonntag mehrere tausend türkische Berliner in den Rudolf-Wilde-Park in Schöneberg, um das türkische Nationalfest zu feiern. Die Hürriyet zeigte am Montag auf ihrer Titelseite ein monumentales Bild von Atatürk. Die Zeitung berichtete, dass der Bezirksbürgermeister von Tempelhof-Schöneberg, Dieter Hapel, eine Eröffnungsrede gehalten hat. Der türkische Botschafter Osman Korutürk habe auf der Feier die türkischen Eltern zu mehr Bildungsbewusstsein aufgerufen und sie aufgefordert, ihren Kinder bei der Erlernung der Sprache des Landes, in dem sie leben, behilflich zu sein.

"Die Kinder dieser Welt Hand in Hand", titelte die liberale Milliyet am Dienstag auf ihrer Europaseite. Dazu zeigte das Blatt ein türkisches Kind mit einer türkischen Fahne, dass in dem Park geknipst wurde. Am Dienstag berichteten die Zeitungen auch darüber, dass am Montag Schüler der Ludwig-Cauer-Grundschule in Charlottenburg den türkischen Botschafter in seinen Diensträumen aus Anlaß dieses Feiertages besucht haben. Auf den Bildern zu den Texten waren allerdings nur türkische Schüler zu sehen. In den deutschsprachigen Tageszeitungen wurde das Ereignis im Volkspark Schöneberg, das seit mehreren Jahren um den 23. April stattfindet, kaum erwähnt.

Einfache Türken zu anstrengend?

Am Sonnabend hieß es auf den Titelseiten der türkischen Blätter: "Danke Herr Fischer." Außenminister Joschka Fischer habe nun gestattet, dass das türkische Generalkonsulat in Berlin bleiben dürfe. Normalerweise erlaubt die Bundesregierung nur eine diplomatische Vertretung eines Landes in einer Stadt. Seitdem Berlin Hauptstadt ist, haben deshalb alle ausländischen Regierungen ihre Generalkosulate in konsularische Vertretungen umbenannt und ihre Generalkonsuln "entmachtet". Nur die türkische Regierung wollte dies nicht. Statt dessen sollte das Konsulat von der Johann-Georg-Straße in Wilmersdorf nach Potsdam umziehen und die knapp 125 000 türkischen Staatsbürger in Berlin sollten hin und her pendeln. Angeblich sei in dem Botschaftsgebäude für so eine große konsularische Abteilung kein Platz, erklärte der Botschafter in den türkischen Zeitungen. Böse türkische Zungen behaupten dagegen, dass die Botschaft das einfache und anstrengende türkische Volk nicht in ihrem Hause sehen will.

Interessant war auch ein Kommentar am Sonnabend in der national-konservativen Türkiye. Zu den türkeipolitischen Äußerungen des Bundestagsabgeordneten Cem Özdemir schrieb das Blatt: "Manchmal ist es so schwierig, unseren türkischstämmigen Bundestagsabgeordneten zu verstehen. Statt Dein Land, aus dem Du stammst, und Deine Leute zu verteidigen, schadest Du ihnen nur. Du erlebst deshalb Widerstand und wirst zur unbeliebten Person."

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