Berlin : Gazeteler Rückblick: Das Mädchen mit dem Kopftuch

Suzan Gülfirat

Jeden Montag im Tagesspiegel: Ein Rückblick auf die in Berlin erscheinenden türkischen Tageszeitungen.

Was verstehen Türken und Deutsche unter Integration von Ausländern? Die Berichte in deutschen und türkischen Zeitungen führen uns die verschiedenen Ansichten darüber bildhaft vor Augen. "Der Vater der Integration", titelte am Freitag die Tageszeitung Türkiye. Der Grund: Am Donnerstag startete Bundespräsident Johannes Rau mit der Bertelsmann-Stiftung einen Wettbewerb zur "Integration von Zuwanderern." An der bundesweiten Aktion "Auf Worte folgen Taten" können sich Initiativen beteiligen, die sich für ein Zusammenleben von Deutschen und Ausländern engagieren.

Am nächsten Tag machte die Tageszeitung Türkiye auf ihrer Europaseite daraus den Aufmacher. "Integration geht nicht nur den Staat, sondern auch die Gesellschaft etwas an", zitierte das Blatt Johannes Rau. Dazu zeigte die Zeitung ein Bild von ihm mit den Botschaftern des Wettbewerbs, wie die Schauspieler Erol Sander (Der Unbestechliche) und Miroslav Nemec (Tatort) und die Musikgruppe Bro-Sis. Was die Türkiye unter Integration eigentlich versteht, wurde auf einem Foto deutlich, das Schüler zeigt, die bei einer Parlamentsdebatte zuhören: Darunter eine Mädchen mit islamischer Kopfbedeckung. "Hier das Foto zur Integration", titelte das Blatt und zeigte ein - aus ihrer Sicht - "schönes Beispiel für Integration".

"Rau: Integration bedeutet nicht Assimilation", titelte die Tageszeitung Hürriyet zu diesem Thema. Die Hürriyet zeigte, wie sie sich die Integration vorstellt: Auf ihrem Foto war Erol Sander mit seiner (deutschen) Gattin Caroline an der Seite der Raus zu sehen. Der Held der Serie "Sinan Toprak ist der Unbestechliche" spielt in der RTL-Serie einen vorbildlichen türkischen Kommissar.

Die Bild-Zeitung kommentierte am selben Tag die Initiative des Bundespräsidenten mit den Worten: "Integration ist keine Einbahnstraße." Und was versteht "Bild" darunter? "Was wären wir ohne die Pizza beim Italiener, das Gemüse aus dem türkischen Laden an der Ecke, die Sommerfrische unter spanischer Sonne?", fragte der junge Kommentator bevor er zum "aber" überging: "Integration bedeutet auch, dass hier lebende Ausländer unsere Gesetze zu achten und unsere Sprache zu lernen haben." Denn wenn in manchen Stadtteilen nur noch Türkisch gesprochen werde, entstünden neue Grenzen.

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