Berlin : Gazeteler Rückblick: Der lange Weg nach Potsdam

Suzan Gülfirat

"Die bittere Tabelle", titelte die auflagestarke Hürriyet. Das Landesarbeitsamt Berlin-Brandenburg hatte einen Tag zuvor die Arbeitslosenquote unter den Türken veröffentlicht. Fast jeder zweite Türke in Berlin im erwerbsfähigen Alter ist denmnach ohne Job. Und das sind nicht nur die Älteren. Etwa die Hälfte ist jünger als 35 Jahre.

Zum selben Thema zitierte die Tageszeitung Türkiye die Ausländerbeauftragte Barbara John in der Überschrift: "Eine Berufsausbildung ist sehr wichtig." Die Zeitung schrieb auch über den Präsidenten des Landesarbeitsamtes, Klaus Clausnitzer: Er habe die türkischen Eltern aufgerufen, "sich darum zu bemühen, dass ihre Kinder Deutsch lernen." Zum Schluß kam Safter Ǥnar vom Deutschen Gewerkschaft-Bund zu Wort: Er führte zwei Gründe für die hohe Abeitslosigkeit unter den Jugendlichen auf: Sie werden nicht genug informiert, und die deutsche Gesellschaft kümmert sich zu wenig um sie. Die Hürriyet zitierte ihn so: "Den türkischen Eltern fällt eine große Pflicht zu." Das letzte Wort hatte Alisan Genç, der die Jugendprojekte des Türkischen Bundes Berlin-Brandenburg leitet: Er rief die (deutschen) Verantwortlichen auf, mehr Projekte für Türken zu finanzieren und den Jugendlichen mehr Chancen auf eine Ausbildung zu geben.

Boulevard Berlin:
Was die Stadt bewegt...

Das dringendste Problem der vergangenen Woche war für die türkischen Zeitungen jedoch nicht die Arbeitslosigkeit. Die Hürriyet setzte am Freitag in großen Buchstaben "Berlin Nayn dedi" (Berlin hat Nein gesagt) auf ihre Titelseite. Damit wurde der türkische Botschafter in Berlin, Osman Korutürk, zitiert. Nun stehe endgültig fest, dass das türkische Generalkonsulat von der Johann-Georg-Straße in Berlin nach Potsdam umziehen werde. Die Bundesregierung gestattet den Botschaften keine zweite Vertretung in der Stadt. Seitdem haben alle Botschaften ihre Generalkonsulate in "Konsularische Abteilungen" umbenannt. Nur die türkische Regierung nicht.

Sogar der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen habe sich für die Türken in Berlin eingesetzt. "Das ist für die türkischen Staatsbürger eine unnötige Strapaze", wurde er zitiert. Die Senatskanzlei habe sein Engagement bestätigt. Mehrmals habe er sich bei Außenminister Joschka Fischer dafür ausgesprochen, dass das Generalkonsulat in Berlin bleiben dürfe.

Die türkische Gemeinschaft möchte ihre konsularischen Angelegenheiten in Berlin erledigen. Immerhin leben in dieser Stadt fast 130 000 melderechtlich registrierte türkische Staatsbürger. Am Freitag kamen Kreuzberger Türken zu Wort: "Potsdam ist zu weit weg. Wir hatten eigentlich eine Kampagne gegen den Umzug gestartet, aber Ankara reagierte zurückhaltend."

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