GAZETELER Rückblick : "Der Streik legt Berlin lahm"

Wie türkische Blätter über den Streik der BVG berichten.

Suzan Gülfirat

So viel steht fest: Auch für die Berliner Türken kam der Streik der BVG überraschend, sodass viele am Freitag vergeblich auf den Bus gewartet haben. Zumal es keine der türkischen Zeitungen geschafft hatte, das Thema noch für die Freitagsausgabe ins Blatt zu heben. Und auch am Samstag berichteten nur drei türkische, eine kurdische Zeitung und ein türkischsprachiges Radioprogramm über den Streik, der für eineinhalb Tage den öffentlichen Verkehr in der deutschen Hauptstadt lahmlegte.

Vielleicht lag es daran, dass die Zeitungen etwas spät dran waren, doch auch am Samstag präsentierten die meisten nur kurze Berichte. In deren Mittelpunkt stand dann eher der Kampf der Mitarbeiter als das Leid der Fahrgäste. „Das Leben in Berlin liegt lahm“, titelte zum Beispiel die „Milliyet“ am Sonnabend und zeigte ein Foto von drei türkischen Streikposten: „Hüsnü Alkan, Serkan Aydin, Gürsel Geyik freuen sich, dass sie in der ’Milliyet’ zu Wort kommen.“ Nach Angaben der Milliyet sind 30 Prozent der Mitarbeiter der BVG türkischer Abstammung. Aber auch die meisten anderen Blätter konzentrierten sich eher auf Hintergrundinformationen statt Service: Die Leser erfuhren wie viele Mitarbeiter und wie viele Busse die BVG hat, mussten aber selbst schlussfolgern, dass die Fahrgäste auf die S-Bahn ausweichen können.

Die „Hürriyet“ berichtete nur in ihrer Onlineausgabe über den Arbeitskampf und die Folgen. „Der Streik in Berlin ist zu Ende“, hieß es Samstag. Am detailliertesten wurden die Berliner Türken von dem türkischsprachigen Radio-Programm des RBB informiert. Für die Überschrift, die zum Thema auf der Internetseite nachzulesen war, hatten sich ohnehin die meisten Zeitungen – egal, ob türkisch oder deutsch – entschieden: „BVG-Streik legt Berlin lahm.“ Suzan Gülfirat

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