Berlin : Gazeteler Rückblick: Die Pflichten beim Ramadan

Suzan Gülfirat

Jeden Montag im Tagesspiegel: Ein Rückblick auf die in Berlin erscheinenden türkischen Tageszeitungen.

Heute ist der erste Tag des Fastenmonats Ramadan. Bis zum 27. Dezember darf vom Morgengrauen bis zum Sonnenuntergang nicht gegessen, nicht getrunken und nicht geraucht werden. Auch Küssen und weitergehende Intimitäten sind verboten. Um zu wissen, von wann bis wann die Zeitspanne genau dauert, hatten die meisten türkischen Zeitungen in der letzten Woche Tabellen für die verschiedensten europäischen Städte beigefügt. Demnach fasten die Moslems in Berlin seit heute morgen um 5 Uhr 40. Ab 16 Uhr 5 darf wieder gegessen werden.

Die Tageszeitung Türkiye veröffentlichte außerdem am Dienstag den Gastkommentar des Bundestagsabgeordneten Cem Özdemir (B 90/Grüne). Die Zeitung hatte dies tagelang angekündigt. Vor dem Hintergrund, dass Özdemir aufgrund seiner unverblümten Äußerungen zur politischen Situtation in der Türkei zum Hassobjekt vieler türkischer Blätter wurde, ist dies ungewöhnlich. Erst recht, weil die Türkiye eine rechtstendenziöse Zeitung ist. Der Text war allerdings recht unspektakulär. Es waren Özdemirs "Überlegungen zum 9. November", die eher an Wahlkampf erinnerten. Rechtsradikalismus müsse bekämpft werden und insbesondere dem grünen Beharren innerhalb der Regierung sei es zu verdanken, "dass endlich ein Gesamtkonzept zur Einwanderung erarbeitet wird", hieß es darin. Dann gab es noch einige Attacken gegen die CDU/CSU und im letzten Satz eine Botschaft an den Leser: "Jeder hat sich an gewisse Regeln zu halten, bringt dafür Fähigkeiten, Ideen, Gewohnheiten ein." Der Text erschien auf Deutsch und auf Türkisch.

Die Ankündigung für den Gastbeitrag auf der Titelseite der Türkiye am Montag irritierte jedoch. Das Blatt schrieb: "Der Grüne Abgeordnete des Deutschen Bundestages, Cem Özdemir, wird von nun an für die Türkiye-Leser schreiben." Gegenüber dem Tagesspiegel hatte Cem Özdemir jedoch zwei Tage zuvor gesagt, dass er nur einen einzigen Artikel für die Türkiye schreiben wird. Es blieb bisher bei diesem einzigen Beitrag. Allerdings hatte Özdemir auch gesagt, er denke daran, zum Dauerkolumnisten einer türkischen Zeitung zu werden.

Interessant war auch ein Artikel in der "Nord-Beilage" der Hürriyet vom Donnerstag. Das ist eine Beilage mit Nachrichten aus Berlin, Norddeutschland und Dänemark: "Die Künstler sind verärgert", hieß es in der Überschrift. Der Leiter des türkischen Konservatoriums und der Präsident des Vereines zur Verbreitung der türkischen Folklore hätten die Absicht des Türkischen Bundes Berlin-Brandenburg (TBB), einen eigenen Künstlerrat zu bilden, kritisiert. Kenan Kolat vom TBB hatte in der vorvergangenen Woche in einer Ausgabe der Hürriyet angekündigt, sich mehr um türkische Künstler kümmern zu wollen. Das langjährige SPD-Miglied wurde vor kurzem zum Vorsitzenden der SPD-Arbeitsgemeinschaft Migration gewählt. Wohl deshalb meinten die türkischen Künstler in der Hürriyet, der TBB sei eine politische Vereinigung. Ihr stünde es nicht zu, eine Künstlervereinigung zu gründen. Es gebe bereits seit 1983 die "Vereinigung Türkischer Künstler", die erfolgreich arbeite. "Nur Künstler können Künstler repräsentieren", meinten die beiden Funktionäre, die laut Hürriyet nun die Spaltung der türkischen Künstlerfamilie in Berlin fürchten.

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