Berlin : Gazeteler-Rückblick: Die Trauer um "Bayan Kohl"

Suzan Gülfirat

Jeden Montag im Tagesspiegel: Ein Rückblick auf die in Berlin erscheinenden türkischen Tageszeitungen.

"Bittere Befreiung" steht auf der Titelseite der Freitagsausgabe der Hürriyet zum Tode von Hannelore Kohl. "Der Selbstmord, der schockt", heißt es in der Milliyet an diesem Tag. "Die Ehefrau von Kohl hat sich umgebracht", steht in der Türkiye. Alle großen türkischen Tageszeitungen berichteten über den Freitod von Hannelore Kohl auf ihrer Titelseite. Zudem wurde sie ausführlich auf den Nachrichtenseiten gewürdigt. Mit zahlreichen Bildern berichteten die Blätter über "Bayan Kohl" (Frau Kohl, Türkiye) und über ihr soziales Engagement. Die Türkiye zitierte sie in einem Kasten zu einem Hochzeitsfoto ihres Sohnes mit seiner türkischen Ehefrau: "Meine Schwiegertochter ist einzigartig." Die Tageszeitung Star titelte auf ihrer fünften Seite sogar "Herzliches Beileid". Die Hürriyet erklärte, was eine Lichtallergie ist, und zu einem Foto de Ehepaar Kohl titelte die Zeitung: "Sie hat Deutschland in Trauer versetzt."

Noch am Tag zuvor zeigte die Hürriyet Helmut Kohl gutgelaunt auf einem Fest des CDU-Parlamentarierkreises Mittelstand und des Deutsch-Türkischen Forums, das sich selbst als türkischer CDU-Verband begreift. Der Alt-Kanzler sitzt auf dem Foto neben einer Mutter mit ihrem Baby. "Kohls Babyliebe", titelte die Hürriyet zu dem kurzen Text. Auf die Frage, ob er sich ein Enkelkind von seiner Schwiegertochter Elif wünsche, habe Kohl keine Antwort gegeben, aber dem Baby die Wange gestreichelt. Auf einem anderen Foto zeigten die Blätter Angela Merkel und Friedrich Merz mit Vertretern der Deutsch-Türkischen Union beim Döneressen. Über die türkischen Tageszeitung soll die CDU-Chefin verkündet haben, dass es bei den Wahlen zum Abgeordnetenhaus in Berlin "einen Überraschungskandidaten geben könnte." "Sollte dies der Fall sein, werde ich ihn unterstützen", wurde Angela Merkel zitiert. Auch die Hürriyet vermittelte den Eindruck, als wüsste Angela Merkel etwas über einen türkischstämmigen Kandidaten der Berliner CDU. Aber da war wohl der Wunsch der Vater des Gedankens. Die Sprecherin von Angela Merkel, Eva Christiansen, die bei dem Treffen nicht dabei war, kann sich nicht vorstellen, dass ihre Chefin für die Berliner CDU spricht. Allerdings könne sie sich vorstellen, dass sie einen türkischstämmigen Kandidaten unterstützt, sagte sie. In Berliner CDU-Kreisen kennt zudem niemand diesen Kandidaten. Solch ein Kandidat stehe nicht einmal zu Diskussion, sagte ein türkischstämmiges CDU-Mitglied verwundert über die Schlagzeilen.

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